F-Hörner

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Re: F-Hörner

Beitragvon Herr Olufsen » Sa 4. Jul 2015, 23:37

Ich Stimme zu, jeder soll und darf seine Meinung haben. Die Diskussion ist aber interessant und fruchtbar. :)
klangwelt hat geschrieben:Das, was [Robert Ostermeyer] als Wat-wat-wat bezeichnet, nämlich die scharfen Abschlüsse mancher Töne - das würde man heute als unmusikalisch empfinden und nicht mehr so spielen. Warum Dennis Brain diese Töne so artikuliert hat, weiß ich nicht. Vielleicht war es Absicht, vielleicht Nachlässigkeit.

Also, das "Zungenstoppen"(?) (tongue stopping) ist wohl kein Zeichen des schlechten Geschmacks, der Nachlässigkeit oder fehlender Fähigkeiten, sondern ein altes Stilphänomen. Hier die 1940 Mozart KV 447-Aufnahme mit Aubrey Brain (BBC SO, Adrian Boult): https://youtu.be/85U6GEIKrkE.

Auch auf Supraphon Aufnahmen mit Stefek (Mozarts Sinfonia Concertante und Hornkonzert 3 KV 447, Reichas Horntrios) hört man diese "Wat-wat" oder "Tat-tat"-Artikulation (oder "tut-tut" in Englisch). Von dieser Reicha-Aufnahme mit Stefek, Kubat und Cir (die übrigens in 1961 den Preis Prix Spécial de l’Académie Charles Cros (heute Grand Prix du Disque) gewann) hat Fergus McWilliam in einem Interview gesagt,
Can you notice the "old-fashioned" tut-tut style of articulation? [It is] totally "illegal" but totally wonderful!

Ich stimme ihm völlig zu! Auf alten Aufnahmen hört man ja auch Streicher mit "unpassendem Spiccato" oder "unmodernem Portamento". Meiner Meinung nach verringert solche Stilphänomene nicht die Leistung - und auch nicht die Musik! Solche Stilunterschiede sind (waren) eine grosse Inspirationsquelle.

Mit freundlichem "Wat-wat-wat"
Christian
Deutsch ist nicht meine Muttersprache, tut mir leid! Grammatikalische Fehler und Fehler in der Rechtschreibung sind nicht beabsichtigt.
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Re: F-Hörner

Beitragvon www_corno_de » Mo 6. Jul 2015, 10:02

Natürlich kenne ich auch die älteren tschechischen Aufnahmen und die wat wat Technik. Das war eben die Schule. Merkwürdigerweise (oder erfreulicherweise) kann man das bei vergleichbaren deutschen Aufnahmen nicht hören. Mir persönlich gefällt es nicht besonders, ich kann aber damit leben. Und ich sehe schon die Leistung Dennis Brains als respektabel. Nur eben nicht als unvergleichlich oder für mich als aussergewöhnlich. Und , zu hoch ist zu hoch, egal ob mit F- B- oder hoch F-Horn. Vielleicht nervt mich auch nur dieser Brain Kult. Ich fände es überaus spannend noch andere Hornisten aus vergleichbarer Zeit zu hören, analysieren und zu werten. Ich werde mich jetzt mal an die Zimolong Aufnahme setzen um sie hier anzubieten.
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Re: F-Hörner

Beitragvon www_corno_de » Mo 6. Jul 2015, 18:26

So, die Aufnahme mit Max Zimolong kann man jetzt hier finden:
http://www.french-horn.net/index.php/bi ... g-max.html
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Re: F-Hörner

Beitragvon klangwelt » Di 7. Jul 2015, 19:09

Lieber Robert Ostermeyer,
recht herzlichen Dank, dass Du uns diese interessante Aufnahme und die dazugehörigen Informationen zugänglich gemacht hast! Ich konnte allerdings nur den ersten Satz aufrufen und habe bei den anderen Dateien eine Fehlermeldung erhalten. Keine Ahnung, ob das Problem bei mir liegt...
Was mich aber wundert: Auch bei Max Zimolong höre ich das Tat-Tat, das Dich bei Dennis Brain so sehr gestört hat.
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Re: F-Hörner

Beitragvon Peter » Mi 8. Jul 2015, 10:17

Lieber Robert Ostermeyer, ich wende mich bewusst öffentlich an Sie, um Ihnen meinen großen Respekt und Dank für ihre verlegerische und sonstige Arbeit für das Horn auszusprechen. Die letzten Aufnahmen, die sie in das Netz gestellt haben sind zweifelsfrei hoch interessant.
Bis auf die Aufnahme des Münchener Hornist Oskar Hieber von 1909 - Er, ein quasi "Enkelnachfolger" von Franz Strauss spielt die Titl-Serenade mit sehr sauberen, hellen schönen Ton. Ich vermute mal, dass er wie sein berühmter Vorgänger ein B-Horn spielte - kenne ich alle anderen Aufnahmen.

Trotz aller unterschiedlicher Betrachtungsweisen nochmals Bewunderung für Ihre Arbeit.

Jedoch bleibt Dennis Brain für mich ohne Einschränkung der mit Abstand bedeutendste Hornist des 20. Jahrhunderts.


Re: F-Hörner
Beitrag von klangwelt » Mi 1. Jul 2015, 22:23
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Re: F-Hörner

Beitragvon www_corno_de » Mi 8. Jul 2015, 18:53

So, ein kleiner Fehler im Link - jetzt sollte es gehen.
In der Tat macht Zimolong auch einige Male wat wat. Ich habe hier noch eine Schellackplatte von Brain mit dem KV 417, da fällt das wat wat nicht so auf.
Über das Lob freue ich mich natürlich. Und zum bedeutensten Hornisten - es gibt bestimmt viele stille Helden, welche wenig oder gar nicht auf Aufnahmen dokumentiert wurden. Ein absolutes Ranking ist mir da suspekt. Natürlich gibt es Hornisten, die ihren Ruhm als GröHaZ an der Anzahl von Aufnahmen, gespielten Rufen um Siegfried oder lautesten Einsätzen messen. Letztlich entscheidet der eigenen Geschmack, wen man als Vorbild wählt. Und über Geschmack kann man bekanntlich streiten.
Meine persönlichen Vorbilder im Hornspiel waren zunächst meine Lehrer bzw. die Leipziger Hornisten. Zum Schluss hier eine rare Liveaufnahme des Konzertstückes von Schumann - da spielen gleich 3 Lehrer mit. Sie stammt von einem Mitschnitt von 1980, also wirklich nichts geschnitten. Akustik war in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig sehr mäßig. Und DDR Rundfunktechnik. Ich finde gerade solche Aufnahmen spannend.
https://www.youtube.com/watch?v=1MlECjBiMC0
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Re: F-Hörner

Beitragvon triangle » Mo 20. Jul 2015, 09:31

Anfangs haben wir hier über belgische und französische F-Hörner mit Perinetventilen gesprochen.
Auf der Suche nach einer Aufnahme des Chabrier "Larghetto" habe ich diese Aufnahme auf einem Horn nach Raoux-Millereau gefunden.
Der Hornist Thomas Müller spielt das F-Horn in vielen Phrasen wie ein Naturhorn. Großartig.

https://www.youtube.com/watch?v=w0JkgBvgSg4

Andreas
mein Blog tiefeshorn.de
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Re: F-Hörner

Beitragvon Peter » Mo 20. Jul 2015, 18:27

hallo triangle,
vielen Dank für den Hinweis bzgl. des Chabrier. Thomas Müller spielt wirklich sehr schön!

Es gibt aber auch eine sehr schöne CD mit Ulrich Hübner:

Ulrich Hübner - Chant d'Automne (Französische Hornmusik)
Ulrich Hübner, Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
Super Audio CD

Saint-Saens: Morceau de Concert op. 94; Romanzen op. 36 & 67
+Radoux: Meditation
+Pessard: Dans la Foret op. 130
+Jeanjean: Nocturne
+Guillemyn: Chant d'Automne
+Templeton Strong: Hallali
+Chabrier: Larghetto
+Dubois: Cavatine
+Massenet: La Mer
+Blanc: Romanze op. 43b

Er verwendet dabei Original Hörner von Roaux (Instrumente aus der ursprünglich von mir erworbene Collection Vouillermoz)
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Re: F-Hörner

Beitragvon klangwelt » Sa 4. Aug 2018, 16:08

dirk hat geschrieben:Solche Aufnahmen sind aber sicher (noch) Ausnahmen.
Es wäre schön, wenn es beim "normalen" F-Horn ein ähnliches Revival geben wie beim Wiener Horn. Mehr Klangvielfalt fände ich wünschenswert.


Es ist eine weitere Aufnahme mit F-Hörnern mit Drehventilen erschienen. Das Deutsche Hornensemble hat auf Hörnern von Jungwirth, die extra für dieses Projekt gebaut wurden, die CD "Salut à la forêt" eingespielt. Sie enthält neben weniger bekannter Musik aus der Frühzeit des Ventilhorns auch ein zeitgenössisches Werk für Parforcehörner. Eine sehr interessante CD und auf jeden Fall ein Beitrag zu mehr Klangvielfalt!

https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/6485931
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