F-Hörner

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Re: F-Hörner

Beitragvon oppitz » Di 30. Jun 2015, 20:29

Peter hat geschrieben:Transponieren ist sicherlich schwer. Aber man muss es lernen. Man kann nicht die gesamte Hornliteratur umschreiben.
Der Vorteil ist, dass man die Partien viel besser lesen und schneller erfassen kann. Man kann eigentlich nur das spielen, was man singen kann.
Um ein Beispiel zu zeigen: Bruckner, 7. Sinfonie Tuben in B und F mit unendlich viel Kreuzen (klingend cis-Moll). Wie viel leichter wäre es, wenn Bruckner die Tubenstimmen in E geschrieben hätte ( a-moll, keine Vorzeichen). Das kann man innerlich gut hören/singen. Aber die B-Stimme singt mir keiner so leicht vom Blatt.


Es geht mir eigentlich um einen anderen Punkt, der von Dir in einem anderen Beitrag im Nebensatz erwähnt wurde.
Peter hat geschrieben:die Romance Op. 36 von Camille Saint-Saens ist ein reines Naturhornstück. Wer das weiss, wird auch die kleine Echostelle kurz vor der Reprise gedämpft spielen, obwohl das nicht in den Noten steht. Es brauchte nicht in den Noten stehen, denn es ergab sich zwingend aus der Spielweise
... es geht mir auch wieder um das Wissen, wo sich so etwas "zwingend ergibt" und wo es in die Irre führt.
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Re: F-Hörner

Beitragvon dirk » Di 30. Jun 2015, 21:21

Peter hat geschrieben:Lieber Dirk,
die Romance Op. 36 von Camille Saint-Saens ist ein reines Naturhornstück. Wer das weiss, wird auch die kleine Echostelle kurz vor der Reprise gedämpft spielen, obwohl das nicht in den Noten steht. Es brauchte nicht in den Noten stehen, denn es ergab sich zwingend aus der Spielweise.Ich habe eine beeindruckende Aufnahme von Edouard-Vuillermoz von 1926.


Vielen Dank Peter,

Jahreszahlen reichen also nicht zur Orientierung.....
Man lernt immer was dazu :-)
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Re: F-Hörner

Beitragvon Herr Olufsen » Di 30. Jun 2015, 22:22

Lieber Peter,
Peter hat geschrieben:Ich würde gerne eine ganz besondere beeindruckende F.Horn Aufnahme hier ins Forum stellen, nämlich Mozart's KV 407 1944 von dem 23jährigen Dennis Brain aufgenommen.
Es sind 160,8 MB. Wie mache ich das ? Bitte um Hilfe

Damit kann ich nicht helfen, aber die 1944 Aufnahme ist von Robert Ostermeyer auf YouTube hochgeladen worden: https://youtu.be/yR734mno7O8. Ein hornistischer Höhenfestpunkt meiner Meinung nach.

MfG
Christian
PS: Der 4. Hornist von Les Siècles spielt bestimmt auf einem Einzelhorn "mit Kühler", das sehe ich jetzt.
Deutsch ist nicht meine Muttersprache, tut mir leid! Grammatikalische Fehler und Fehler in der Rechtschreibung sind nicht beabsichtigt.
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Re: F-Hörner

Beitragvon Peter » Di 30. Jun 2015, 23:23

Christian,
Danke, danke sehr für den Hinweis.
Hört Euch diese Aufnahme an, gespielt vom 23jährigen Dennis Brain auf seinem französischem F-Horn!
Ich will gar nicht über seine Musikalität reden, sondern achtet nur mal auf diese schier unüberbietbare hornistische Meisterleistung
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Re: F-Hörner

Beitragvon www_corno_de » Mi 1. Jul 2015, 10:08

Also ich würde die Kirche mal im Dorf lassen - "unüberbietbare Meisterleistung" finde ich unangemessen. Man sollte wissen, das die Aufnahmen damals kaum geschnitten werden konnten. Sicher konnte man etwas zaubern, es hatte jedoch immer noch alles einen Live-Charakter auf diesen Schellackaufnahmen.
Zu Brain - teilweise stimmt er schlecht und sein wat wat wat Anstoß finde ich grauenhaft. Er scheint einen Ton häufig mit der Zunge als mit der Atmung beendet zu haben. In späteren Aufnahmen ist mir dies nicht so aufgefallen.
Zuletzt geändert von www_corno_de am Mi 1. Jul 2015, 20:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: F-Hörner

Beitragvon Till » Mi 1. Jul 2015, 14:41

Da muss ich www_corno_de recht geben. Mir sind die gleichen Dinge aufgefallen. Musikalisch bleibt Dennis Brain trotz allem ein Vorbild. Tonlich habe ich aber andere Vorbilder.
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Re: F-Hörner

Beitragvon klangwelt » Mi 1. Jul 2015, 22:23

www_corno_de hat geschrieben:Man sollte wissen, das die Aufnahmen damals kaum geschnitten werden konnten. Sicher konnte man etwas zaubern, es hatte jedoch immer noch alles einen Live-Charakter auf diesen Schellackaufnahmen.

Dieses Argument spricht aber eher für die Leistung des Hornisten. Er konnte eben nicht alles zig mal spielen und dann vom Tontechniker die besten Stellen zusammenstückeln lassen. Wenn man dann noch bedenkt, dass die alten Raoux-Hörner ziemlich heikel zu spielen waren, kann man vor dieser Einspielung schon Respekt haben. Deutliche Intonationsmängel sind mir beim Anhören übrigens nicht aufgefallen.

Till hat geschrieben:Tonlich habe ich aber andere Vorbilder.

Allerdings ist die Aufnahme auch gut 70 Jahre alt. Mit moderner Technik würde das etwas anders klingen. Dennis Brain hatte wohl einen eher hellen, schlankeren, aber dennoch mitunter kernigen Hornklang, den er auch behalten hat, nachdem er etwas später zu seinem Alexander-Horn gewechselt hatte. Mit dem heutigen deutschen Klangideal hat das in der Tat recht wenig zu tun. Was als schön empfunden wird, richtet sich nach dem Zeitgeschmack und nicht zuletzt auch nach subjektiven Vorlieben. Wenn ich mich entscheiden müsste, ob mir der Klang von Dennis Brain oder von Stefan Dohr besser gefällt, würde mir die Entscheidung für Dennis Brain leicht fallen...
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Re: F-Hörner

Beitragvon www_corno_de » Do 2. Jul 2015, 13:53

Alle Musiker der Schellackzeit mussten es Live Einspielen, war etwas verunglückt, musste man alles neu aufnehmen, was man auch tat. Ein wirklicher Vergleich ist schlecht möglich, es gibt einfach zu wenige Aufnahmen mit Horn. Bei KV 407 ist aber gerade am Anfang die Intonation nicht so sauber, sollte ich da spitzere Ohren haben? Und das wat wat wat? Unschön!
Ich mag aber Aufnahmen der Schellackzeit, weil sie spannend sind. So wurde musiziert - und nicht wie heute, dass der Tonmeister gestalten darf, was vielleicht bei der Einspielung fehlt.
Ich habe von Max Zimolong noch eine sehr schöne Mozart 3 Schellackplatte - die gefällt mir sehr gut.
Ansonsten hier noch eine Aufnahme aus dem Jahr 1904 mit den Hornisten des Gewandhauses.
https://www.youtube.com/watch?v=qquA4Gc_7FI

sowie von 1909 von Hornisten der Wiener Hofoper
https://www.youtube.com/watch?v=CnNe4jwkGXg

Etwa aus der gleichen Zeit der Hornist Oskar Hieber
https://www.youtube.com/watch?v=BqJ-meyt5DE

Und hörbar besser in der Aufnahmequalität aus dem Jahr 1928 das Bläserquintett des Gewandhauses (Hornist Thilo Heuck)
https://www.youtube.com/watch?v=fR5McfxVslU
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Re: F-Hörner

Beitragvon klangwelt » Sa 4. Jul 2015, 17:04

Gerade habe ich im Radio eine Sendung über den Jazz-Saxofonisten Heinz Sauer gehört. Da wurde über seinen Ton gesagt: "Er ist nicht unbedingt immer schön und das soll er auch gar nicht sein. Wichtiger ist, dass er niemanden kalt lässt." Meiner Meinung nach ist das überhaupt beim Musikmachen ganz entscheidend: Es muss und soll nicht alles glatt und gefällig klingen (und damit oft auch langweilig). Große Musiker berühren uns mit ihrem Spiel - und das muss nicht immer mit vordergründiger Perfektion zu tun haben.
Davon abgesehen finde ich die Brain-Aufnahme vom Mozart-Quintett spieltechnisch sehr gut. Ich würde gerne einmal hören, wie heutige Hornisten das unter solchen Bedingungen (gleiches Horn, ähnliches Mundstück, keine Möglichkeit der nachträglichen Bearbeitung) hinbekommen würden...
Und ja, lieber Robert Ostermeyer, Du hast natürlich Recht: Das, was Du als Wat-wat-wat bezeichnest, nämlich die scharfen Abschlüsse mancher Töne - das würde man heute als unmusikalisch empfinden und nicht mehr so spielen. Warum Dennis Brain diese Töne so artikuliert hat, weiß ich nicht. Vielleicht war es Absicht, vielleicht Nachlässigkeit. Mich stört es nicht, weil mich diese Aufnahme berührt. Brain hatte musikalisch etwas zu sagen und tut das mit jedem Ton. Und da passt nun wieder das Zitat vom Anfang: Man mag es oder man mag es nicht, aber es wird niemanden kalt lassen.
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Re: F-Hörner

Beitragvon Peter » Sa 4. Jul 2015, 22:10

Natürlich soll und darf jeder seine Meinung haben!

Ganz besonders hier Deutschland scheiden sich aber schon immer bei Dennis Brain die Geister.

Jeder Mensch neigt dazu - und ich mache da sicher keine Ausnahme - nur das akzeptabel zu finden, was seiner Sozialisierung entspricht. Das führt oft dazu, dass man andere ausgrenzt. Der Begriff „die Kirche im Dorf zu lassen“ weist m.M. nach darauf hin. „sich ans Gegebene halten, an Gebräuchen nichts ändern“ .Ich plädiere und bitte darum, dass man bei Beurteilungen auch mal über den Tellerrand seiner Prägung hinaus schaut/hört und bedenkt, dass z. B. die Muttersprache einen ungeheuren Einfluss auf dieArtikulation des Musikers hat.

Dann gibt es noch einen Punkt, wo man sich selber beobachten sollte, nämlich dieses jonglieren mit „Totschlagargumenten“ Ich habe als Juror bei Wettbewerben, bei Aufnahmeprüngen und vor allem bei hunderten von Probespielen, die ich im Laufe meiner Orchesterzeit erleben konnte, immer wieder hören müssen: „der/die stimmt nicht gut“ oder auch „das war unrhythmisch“.
Fast jeder wird sofort zustimmen und zwar aus Angst ertappt zu werden, dieses nicht bemerkt zu haben. Nicht alle sind so mutig wie Klangwelt und widersprechen dem.
Klangwelt schreibt: „…Davon abgesehen finde ich die Brain-Aufnahme vom Mozart-Quintett spieltechnisch sehr gut. Ich würde gerne einmal hören, wie heutige Hornisten das unter solchen Bedingungen (gleiches Horn, ähnliches Mundstück, keine Möglichkeit der nachträglichen Bearbeitung) hinbekommen würden..…“ Als jemand, der dieses Stück oft gespielt hat, es sehr oft gehört und zig! Aufnahmen davon besitzt, kann ich dem nur beipflichtem. Ich kenne nur eine Aufnahme auf dem F-Horn, und zwar die mit Ritter Gottfried von Freiberg. Ja, dies Aufnahme ist auf dem F.Horn geblasen, allerdings auf dem hoch-F-Horn. Ich empfinde meine Auffassung keineswegs unangemessen!
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