Gleich beim besseren Orchester bleiben...

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Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon klangwelt » Sa 28. Mär 2015, 14:05

Mit einer saublöden Frage hat Eleonore Büning ein Interview mit Simon Rattle eröffnet, das in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt ist. "Warum bleiben Sie nicht gleich beim besseren Orchester?", fragte sie den Dirigenten, der angekündigt hat, dass er von den Berliner Philharmonikern zum London Symphony Orchestra wechseln wird. Sir Simon antwortete klug, dass er bei den beiden Orchestern nicht zwischen besser und schlechter unterscheiden wolle: "Als Weintrinker sollten Sie wissen, dass es ganz unterschiedliche Qualitäten auf der Skala gibt. Vielleicht sind die Berliner Philharmoniker eher wie ein Chateauneuf, und das LSO ist eher wie ein Pinot Noir?"
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon oppitz » Sa 28. Mär 2015, 14:30

klangwelt hat geschrieben:Mit einer saublöden Frage hat Eleonore Büning ein Interview mit Simon Rattle eröffnet, das in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt ist. "Warum bleiben Sie nicht gleich beim besseren Orchester?", fragte sie den Dirigenten,"


peinlich ! Aber leider hört und liest man immer wieder vom "weltbesten" Tenor, der "besten" Geigerin, etc. mich gruselts dabei jedesmal, oft weil diejenigen nicht mal zu meinem erweiterten Lieblingsmusikern gehören, aber eigentlich mehr, ob der Dummheit dieser Aussagen, wer so denkt, der hat klassische Musik (Musik allgemein) nicht verstanden, denn sie lebt ja davon, dass oft die selben Stücke immerwieder neu zum Leben erweckt werden, immer unterschiedlich!
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon Peter » Sa 28. Mär 2015, 19:25

In Orchesterkreisen nennt man Musikkritiker gerne "Eunuchen. Sie wissen alles, verstehen nichts und vor allem, sie können nicht.
Max Reger hätte geschrieben:
Ich sitze im kleinsten Zimmer meines Hauses. Vor mir ihre Kritik. Ich werde sie gleich hinter mir haben!
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon www_corno_de » Mo 30. Mär 2015, 10:15

Tja, der Orchestermusiker reagiert eben auf Musikkritik auch nicht eben intelligent und in alt hergebrachten Schemata. Genau wie der Dirigent vorn immer der Feind und ein Kasper ist.

Wie wichtig gute Musikkritik ist, merkt man wohl erst(oder vielleicht dann auch nicht) , wenn sie nicht mehr statt findet. Wo der Orchesterleiter oder das Management die Zeitungen mit der Rezension der eigenen Konzerte erfreuen.
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon RobLeicht » Mo 30. Mär 2015, 10:54

Gemach, gemach - Ihr lieben Leute: Habt Ihr denn gar nicht die Ironie und die tongue-in-cheek-Provokation in dem Interview-Einstieg von Frau Büning wahrgenommen? Übrigens: Insgesamt ein gutes Interview... Ansonsten ist Frau Eleonore Büning eine der sachkundigsten und farbigsten Musik-Journalisten in deutschen Landen, hatte sie in den neunziger Jahren als Chefredakteur selber in der ZEIT angestellt und sehr bedauert, dass sie - ihrerseits verständlicherweise - in ihre FAZ zurückwollte.
Heiter und freundlich
Euer
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon klangwelt » Mo 30. Mär 2015, 12:15

RobLeicht hat geschrieben:Gemach, gemach - Ihr lieben Leute: Habt Ihr denn gar nicht die Ironie und die tongue-in-cheek-Provokation in dem Interview-Einstieg von Frau Büning wahrgenommen? Übrigens: Insgesamt ein gutes Interview...

Ich weiß nicht recht... Wenn sie im weiteren Verlauf des Gesprächs fragt, warum Simon Rattle mit den Berlinern den Rosenkavalier gespielt hat und das nicht lieber den Wiener Philharmonikern überlassen hat, die diese Musik doch viel besser "im kleinen Finger" hätten, zeugt mir das doch schon von einer gewissen Engstirnigkeit. Oder zumindest bedient die Interviewerin mit solchen Fragen ziemlich platte Klischees, ohne dass dabei für mich eine ironische Distanzierung deutlich erkennbar wird. Immerhin gehört Simon Rattle doch gegenwärtig zu den bekanntesten Dirigenten überhaupt - da hätte es doch sicher spannendere Themen gegeben als solche "Provokationen" oder die Elbphilharmonie oder die Nachfolgerfrage? Zumindest muss man Frau Büning zugute halten, dass es ihr gelungen ist, trotzdem intelligente Antworten zu erhalten.
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Re: Gleich beim besseren Orchester bleiben...

Beitragvon Beate_Pokorny » Mo 30. Mär 2015, 17:57

Wenn man Frau Dr. Eleonore Bünings gesammelte Artikel in der FAZ ergoogelt, stößt man insgesamt auf eine wortgewandte, schlagfertige und intelligente Musikkritikerin, die außerdem über einen erstaunlichen Humor verfügt. So scheint sie vergleichbar mit Elke Heidenreich eine der erfahrensten und belesensten in der Musikbranche überhaupt zu sein. Leider habe ich nun ihr neuestes Interview noch nicht gelesen, vielleicht steht es irgendwann einmal online...

Mit der Äußerung über das "bessere" Orchester betreibt sie verbale Satire und Ironie zugleich, worauf Sir Simon Rattle in seiner Antwort ganz natürlich als das erscheinen darf, was er auch ist: ein sympathischer, witziger englischer Dirigent! In der Thematik Rosenkavalier liegt doch auch geballte Wahrheit. Nach seinem eigenen Bekunden hat Rattle die Oper erst einmal vor vielen Jahren dirigiert und das, wie er scherzt, nicht zur Freude aller Zuhörer. Natürlich haben die Wiener als Staatsopernorchester mehr Erfahrung mit Bühnenwerken, das soll ja nicht partout heißen, dass es das Berliner Ensemble nicht mindestens ebenbürtig interpretieren wird. Schließlich spielen die Österreichischen Kollegen neben ihrem Bühnen-Dienst auch unzählige sinfonische Werke.

Ich würde da nicht jedes Wort zu stark gewichten, sondern aus so einem Interview nur die erforderliche Information herauslesen, die mich persönlich interessiert. Ich für meinen Teil freue mich schon auf den Rosenkavalier aus Baden Baden. Mit dem Beethoven-Programm haben die Berliner (unter Haitink mit Isabelle Faust, Violine) jedenfalls schon eine tolle Visitenkarte abgegeben.

Bussi, BEATE :lol:
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