Wie sag ichs meinem Nachbarn?

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Wie sag ichs meinem Nachbarn?

Beitragvon Till » Sa 22. Aug 2015, 15:33

Was soll ich meinem Mitspieler raten? Während er spielt, höre ich recht deutlich, dass bei ihm eine Menge Luft unter hörbarer Geräuschentwicklung den Weg durch das Mundstück verweigert und seitlich austritt. Ich nehme an, dass es an den fehlenden täglichen Routineübungen mangelt. Da wir uns erst kurz kennen und alle hier im Orchester unbezahlte Laien sind, ist eine gute Wortwahl angeraten, will ich wieder nicht demnächst alleine das Hornregister repräsentieren!
Ein echtes Dilemma! :cry:
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Re: Wie sag ichs meinem Nachbarn?

Beitragvon klangwelt » Mo 24. Aug 2015, 16:05

Kritik kann konstruktiv und willkommen sein. Oft ist sie aber unerwünscht und führt zu Konflikten. Als Außenstehender, der weder Dich noch Deinen Orchesterkollegen kennt, kann ich Dir keinen konkreten Rat geben, wie Du Dich verhalten sollst. Ganz grundsätzlich wäre ich aber eher zurückhaltend, wenn es darum geht, Fehler von Mitmusikern zu korrigieren. Es ist meiner Ansicht nach auch etwas ganz Anderes, jemanden zum Beispiel auf einen zu hohen oder zu tiefen Ton anzusprechen oder auf grundlegende Fragen der Spieltechnik. Ersteres lässt sich ja auch direkt korrigieren, im zweiten Fall müsste Dein Orchesterkollege die Kritik nicht nur akzeptieren, sondern auch bereit sein an sich zu arbeiten. Wenn Du ihn noch nicht so gut kennst und nicht einschätzen kannst, ob das der Fall ist, wäre es vielleicht besser, erstmal nichts zu sagen.

Generell ist der Gegensatz zwischen dem Streben nach einem möglichst guten musikalischen Ergebnis und der Notwendigkeit, die Ansprüche und Bedürfnisse von Musikern mit unterschiedlichem Leistungsstand unter einen Hut zu bringen, im Laienorchester wohl immer vorhanden. In erster Linie sollte es dabei meiner Meinung nach aber um den Spaß am gemeinsamen Musizieren gehen.
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Re: Wie sag ichs meinem Nachbarn?

Beitragvon wombat » Mo 24. Aug 2015, 17:53

Ist für mich die Frage, ob der Mensch (schnell, mit ein wenig Obacht) was ändern kann, wenn man ihn angesprochen hat. Wahrscheinlich nicht.
Im letzten Hornhangout von Sarah Willis war auch eine kurze Anmerkung zum Thema Nebengeräusche zu vernehmen. Das, was man am Platz hört, muss nicht unbedingt das Ergebnis im Saal beeinflussen.
Ich hatte mal so mein Leiden: Wenn's nicht Gestöhne und Gegrunze bei jedem Nachschlag ist und 'rumge-"Pscht!"-te an Stellen ist, von denen der Mitspieler der Meinung ist, dass man selbst sie zu laut spielt (und weil rechts sitzend alles zu laut empfindet), ungeachtet der Tatsache, dass der Dirigent aufmunternd zuwinkend mehr Horn fordert, ist doch alles gut. Sowas kann man nämlich nicht ansprechen, ohne dass es die andere Person nicht persönlich nimmt.
Dein Kollege hat ein technisches Problem, das kann man ansprechen, wenn man weiter der Meinung ist, dass wichtig ist, was vorne ankommt und das in den Vordergrund stellen kann.

Weiterer Maßstab für mich wäre: Ist es ein Problem anderer, bei dem ich bereit bin, dies in der Ausübung meiner wertvollen Freizeit zu akzeptieren? Im Beruf gibts im Zweifelsfall "Schmerzensgeld" (=ausreichend hohes Gehalt, sonst muss man sich was neues suchen). In meiner Freizeit mache ich das, was mir Spass macht. Wie weit wird mir mein Spass eingeschränkt und bin ich bereit diese Einschränkung zu akzeptieren.
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Re: Wie sag ichs meinem Nachbarn?

Beitragvon oppitz » Mo 24. Aug 2015, 18:24

wombat hat geschrieben:Im letzten Hornhangout von Sarah Willis war auch eine kurze Anmerkung zum Thema Nebengeräusche zu vernehmen. Das, was man am Platz hört, muss nicht unbedingt das Ergebnis im Saal beeinflussen.


und sie sprach über niemand anderen als Norbert Hauptmann (!!!), neben ihm hätte es "wie ein Sandsturm" geklungen, aber draussen im Saal wunderbar.
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Re: Wie sag ichs meinem Nachbarn?

Beitragvon Till » Mi 26. Aug 2015, 09:52

Danke liebe Freunde für Eure Antworten. Ein wenig beruhigt mich die Aussage, dass es im Publikum ohnehin nicht wahrgenommen wird. Und dass das Problem nicht auf Laien beschränkt zu sein scheint, lässt mich von meiner Absicht, das Thema anzusprechen, Abstand nehmen.

Beste Grüße vom Till :D
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