Leutgeb Joseph - die Wahrheit

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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit über den Käse

Beitragvon www_corno_de » Do 13. Aug 2009, 09:05

aus einer anderen Quelle die Passage zum Käse (bei H. Pizka schon genannt, ACHTUNG SCHON GENANNT!!!)

Brief Leopold Mozart an Wolfgang A. Mozart

Salzburg den 1 Decembris 1777

.......... H: Leutgeb, der itzt in einer vorstadt in Wien ein kleines schneckenhäusl mit einer kästerei gerechtigkeit auf Credit gekauft hat, schrieb an Dich und an mich, kurz, nachdem Du abgereiset, und versprach mich zu bezahlen* mit gewöhnlicher voraussetzung der gedult, bis er beym käs-Handl** reicher wird, und von Dir verlangte er ein Concert. Nun wird er aber schon wissen, daß Du nicht mehr in Salzb: bist. ..............

* Leutgeb lieh sich für den Kauf Geld bei Leopold Mozart
** ob er das tatsächlich tat, mit Käse handeln, ist nicht belegt, das er es plante, schrieb er in einem Brief an Leopold Mozart
Pisarowitz meint dazu, dass der Kredit zur Neueinrichtung des Wohnerbes seines verstorbenen Schwiegervaters dienen sollte, da ja dessen Witwe diese Käse- und Wurstgerechtigkeit, also das Recht, Käse und Wurst herzustellen, bereits anderweitig vergeben hatte. Im Archiv der Stadt Wien fanden sich Nachweise darüber.

1. Quelle, Belege aus dem Archiv der Stadt Wien?
2. Leutgeb spricht vom Handel, nicht von der Herstellung -ist die kästerei gerechtigkeit für beides, Handel und Herstellung oder getrennt. Verkaufte man eventuell nur das Recht der Herstellung?



**************
Spaß mit Leutgeb
Mozart am 25.Juni 1791 an seine Frau

.......... heute machte ich den Leitgeb eine Überaschung. – ich gieng zuerst zu den Rechberger'schen – und da schickt die frau ein tochter hinauf, ihm zu melden, daß ein alder guter bekannter aus Rom da seyen – er wäre schon alle Häuser abgelaufen; und hätte ihn nicht finden können! – er schickte zurück, ich möchte nur ein wenig warten. unterdessen legte sich der arme Narr an, wie an einem Sontag, das schönste kleid, und prächtig frisirt – Du kanst Dir vorstellen wie wir dann ihn auslachten. – ich muß halt imer einen Narren haben – ist es Süßmair nicht, so ist es Leitgeb........................
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon Prof » Do 13. Aug 2009, 11:42

Die zweite Meldung mit dem wie ein Pfau ausstaffierten Leutgeb ist allgemein bekannt.

Der Schwiegervater Leutgebs war nicht Wurst- bzw. Käsehersteller (Käsestecher erzeugen keinen Käse, sondern stechen ihn zu Portionen ab), sondern HÄNDLER. Und dieses Handelsrecht hatte Leutgebs Schwiegermutter nach dem Tode ihres Mannes bereits veräussert. Die Hoffnungen des Leugeb auf schnelles Geld waren dahin. Er mußte sicher wie die meisten permanent in Geldnot befindlichen Zeitgenossen irgendeinen Grund für das Darlehent erfinden. So hat er eben dem Wolfgang und dem weiter weg befindlichen Leopold etwas vorgeschwindelt, träumte er doch irgendwie davon, (mit seiner Kunst als Hornist) großes Geld zu machen. Und Neulerchenfeld war damals wie alles außerhalb des "Gürtels" bereits "Vorstadt". Schade, daß ich Wien so ziemlich gut kenne, wohnte ich denn einige Monate dort.

Die Haydn Geschichte ist ja wohl auch klar. Er ist in den Zeilen verrutscht (dort seine Bemerkung: "im Schlaff ....."). Warum wohl ? Weil es wahrscheinlich schon spät war und er die Partitur noch beenden wollte. Aber er hat es selbst gemerkt. Passiert uns ja auch gelegentlich - nach 10 Stunden am Rechner ????
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon George » Do 13. Aug 2009, 14:28

Die Hoffnungen des Leugeb auf schnelles Geld waren dahin. Er mußte sicher wie die meisten permanent in Geldnot befindlichen Zeitgenossen irgendeinen Grund für das Darlehent erfinden.


Ist es nicht doch etwas gewagt, DIE WAHRHEIT (und eben nichts als die Wahrheit) über Leutgebs Leben zu verkünden - und dann hier in die Niederungen vager und gefügiger Spekulationen zu versinken? Sicherlich erheben die WAHRHEITS-Ausführungen keinen wissenschaftlichen Anspruch, dafür sind schon die Quellenangaben viel zu dürftig - aber einen so deutlichen Hinweis auf eine wie auch immer geartete Leutgebsche "Käsetätigkeit" wie in Leopold Mozarts Brief muß man schon mit stichhaltigeren Belegen widerlegen, als nur mit der eigenen persönlichen Meinung.
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon www_corno_de » Do 13. Aug 2009, 15:08

Richtig!

Und man sieht gar nicht, was eigene Forschung ist und was blos abgeschrieben wurde!

Der Verweis auf die Heiratsurkunde findet sich z.B. schon in Alan Tyson " Mozart -Studies of the Autograph Scores" 1990!

Und eigentlich wiederspricht sich der Autor hier oft selber oder wiederlegt sich z.B.

Der Schwiegervater Leutgebs war nicht Wurst- bzw. Käsehersteller (Käsestecher erzeugen keinen Käse, sondern stechen ihn zu Portionen ab), sondern HÄNDLER.


„… Nimbt zur Ehe die Ehrn und Tugendsame Jungfr[au]: Barbara Plazzeriani-in, wohnhaft in [im] Heyl[igen]: Geist [Hausname!] im [Alt-]Lerchenfeldt, gebürtig allhier, des Blasy [Blasius] Plazzerinani, eines burg[erlichen]: Käß- und Wurstmachers, und Catherinae dess[en]: Ehewürthin, beed noch in [im] Leben, erzeugte Tochter.


Pisarowitz meint dazu, dass der Kredit zur Neueinrichtung des Wohnerbes seines verstorbenen Schwiegervaters dienen sollte, da ja dessen Witwe diese Käse- und Wurstgerechtigkeit, also das Recht, Käse und Wurst herzustellen, bereits anderweitig vergeben hatte.


Wenn man so sich reinliest ins Thema sind eigentlich viele der Wahrheiten bekannt. Das Thema wünschte ich mir sauber aufgearbeitet. Ein Wunsch! :roll:
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon Martin2 » Do 13. Aug 2009, 15:38

Und ich dachte immer, es wäre ein Hornforum und kein Käseforum...... :mrgreen: Cheeeese

Also, was für nen Käs der Leutgeb geblasen hat, wissen wir ja. Aber was für ein Käsemesser (äääähm Horn) hat er denn eigentlich benutzt? Vielleicht schimmelt (oxydiert) das berühmte Teil ja noch irgendwo vor sich hin?
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon Prof » Do 13. Aug 2009, 19:34

Eigentlich komisch, daß sich alle am Käsehandel oder der Käserei allgemein aufhängen. Keiner sagt was zu den Nachweisen, daß Leutgeb eben in Wien eher als bekannter Solist auftrat. Und die sind doch eigentlich neu.

Und wenn er denn doch mit Käse gehandelt hat ? Na und ? Beim Tod hinterließ er nach Abzug der Schulden quasi gar nichts. Auch darüber gibt es ein Protokoll im Archiv der Stadt Wien. Nachweise bezüglich Käse gibt es weder genügend in der einen noch in der anderen Richtung. Nur das Herumreiten der Texter der Plattenhüllen bzw. Büchelchen auf dem "Käse" hat mich immer maßlos gestört. Und das Geschreibe vom "leicht verblödeten Hornbläser". Das überträgt sich gerne auf Dirigenten.

Hornisten und Kollegen waren eben immer erfinderisch: Josef Schantl hat mit Kohlen gehandelt, Leduc und Simrock waren tüchtige Kopisten und später Verleger, Le Brun hat mit Hörnern gehandelt, unser Solobassist handelte mit Fleisch und Käse aus dem familiären Betrieb, manch Hornist wurde Dirigent (Hager, Keilberth, Szell,Höltzel, Tuckwell). Ich erinnere mich an einen "Imker" in Berlin, der zwei oder drei Bienen laufen hatte. usw.usw. Es ist nämlich ganz gut, finanziell gesehen auf mehr als zwei Beinen zu stehen

Wenn ich irgendwann im Herbst nach Wien fahren werde, sehe ich mir das betreffende Pfarrarchiv noch genauer an. Sollte sich dabei der Leopold Leutgeb finden und vielleicht Hinweise auf seine und vielleicht Joseph Leutgebs Herkunft, werde ich erneut berichten. Aber das sind dann auch wieder nur Abschriften von existierenden Dokumenten, wenn auch von mir angefertigt. Schlußfolgerungen zu ziehen ist immer erlaubt, andere machen das auch so. Nur so kommt man weiter ans Ziel. Man muß das dann nur untermauern können. Darauf könnt Ihr Euch aber verlassen. Es ist nur eine Frage der Zeit und des finanziellen Aufwandes.

Zum Horn Leutgebs:
damals waren die Hörner Kerners und Huschauers ziemlich gefragt. Wegen der hohen Preise (etwa ein Jahreseinkommen) müßte man annehmen, daß er nur ein Instrument besaß. Lorenz-Hörner der 1770er Generation waren auch sehr gut. Das zum Käsemesser. Übrigens, damals war der "user" wichtiger als die "hardware". Kaum jemand konnte es sich leisten, - auch nicht an der Spitze - Instrumente nach Geschmack und Mode zu wechseln wie heute.
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon Altcorno » Do 13. Aug 2009, 19:56

Prof hat geschrieben:Wenn ich irgendwann im Herbst nach Wien fahren werde, sehe ich mir das betreffende Pfarrarchiv noch genauer an. Sollte sich dabei der Leopold Leutgeb finden und vielleicht Hinweise auf seine und vielleicht Joseph Leutgebs Herkunft, werde ich erneut berichten. Aber das sind dann auch wieder nur Abschriften von existierenden Dokumenten, wenn auch von mir angefertigt. Schlußfolgerungen zu ziehen ist immer erlaubt, andere machen das auch so. Nur so kommt man weiter ans Ziel. Man muß das dann nur untermauern können. Darauf könnt Ihr Euch aber verlassen. Es ist nur eine Frage der Zeit und des finanziellen Aufwandes.


Kurze Fragen zum Elaborat:

1) Gibt es genealogische Untersuchungen zu Leitgeb und ähnlichen Namen in Österreich?
2) Wer käme als Konkurrenz an der Spitze, z. B. für Uraufführungen, noch in Frage?
3) Gab es (sehr speziell) zu der Zeit bereits erkennbare Unterschiede in der Technik (Hornschulen)?
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon dirk » Sa 15. Aug 2009, 20:27

Ich habe mich sehr über den Beitrag gefeut!
Hochinteressant!
Meinen Dank an den Professor!
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon Martin2 » Sa 15. Aug 2009, 21:09

Danke für den Hinweis zum Horn.
Der Name Kerner ist mir ein Begriff. Huschauer dagegen habe ich noch nicht vernommen.
Ich denke aber, daß auch heute noch die Software wichtiger als die Hardware ist. Man wird ja nicht automatisch ein besserer Hornist, nur weil man ein sauteures Horn hat. Wenn ich daran denke, auf was für Kannen wir (Posaunenchöre) noch vor wenigen Jahrzehnten spielten und lernen mußten...... Dagegen haben heutige Jungbläser mit Yamaha Trompeten, Kühnl & Hoyer Posaunen und Hoyer Hörnern eine regelrechte Profiausstattung.

Der Thread hir gefällt auch mir sehr gut! Ist intersant, was alles zu Tage tritt, wenn man alte Papiere durchforstet. Und hier mal ein Dank an all jene, die solche Mühe auf sich nehmen!
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Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

Beitragvon dirk » Sa 15. Aug 2009, 21:30

Als Nikolaus Harnoncourt in den 80ern zum erstenmal die H-Moll-Messe mit Originalinstumenten auf LP aufgenommen hat kam ein Huschauer aus den 1750er Jahren zum Einsatz. Schöner Klang!
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