alt vs. neu

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Beitragvon oppitz » Mi 10. Dez 2014, 11:02

Hallo,

unter dem kurzen Titel verbirgt sich eine Armada von kleinen Teilfragen, also entschuldige ich mich vorauseilend für etwaige Konfusionen.

Ein Kollege spielt ein Paxman Acadamy Serie 4. Das Horn spielt sich angenehm und klingt recht fein, aber ... er hat es 3 oder 4 Jahre (neu gekauft) und das Mundrohr ist bereits fast durch (Zinkfraß), Teile der Maschine "bröckeln", etc. (er pflegt es eigentlich besser, als ich es von anderen Jugendlichen kenne!).

Dies führt dazu, dass wir uns einige Dinge fragen:

- lieber ein gebrauchtes "Profi"horn für den gleichen Betrag (ca. 4000,-) ? ... obwohl man für dieses Geld fast auch bereits Instrumente von Cornford, Finke, Willson und Otto bekommt... aber eben auch gebrauchte Topmodelle, ja sogar Triplehörner...

Worauf bei gebrauchten Instrumenten achten? ... abgesehen, vom persönlichen Gefallen, wie es sich spielt und klingt.

- Ventildichtigkeit (wie wichtig ist die und wie testet man die - ausser mit dem berühmten "Plopp" beim abziehen ohne das Ventil zu drücken? Auf amerikanischen Seiten geben die oft sogar ein Prozentsatz der "Kompression" an.... wie ermitteln die denn dann 80%, 90% 100%?)

- noch mal zum Material... Da gibt es die berühmte "rote Pest", also den Zinkfraß, wobei ich selber ein Herbert Fritz Knopf aus den 40er Jahren habe und seit ich denken kann, hat es 2 rote Punkte, die werden nicht grösser und halten nun schon länger, wie manches Horn im Ganzen.

- Material Frage 2 ... manchen sprechen von "Ermüdung"... was genau ist damit gemeint (das Material selber, was an Spannung verliert oder Lötstellen, die sich lösen) und wie findet man heraus, ob das betreffende Instrument "ermüdet" ist?

Eine gänzlich andere Frage kam nach einem Telefonat mit einem Verkäufer eines angesehenen Horngeschäftes auf. "Moderne" Hörner würden sich generell leichter spielen und die Töne besser "einrasten"... Ab wann ist ein Horn "modern" - aber den Effekt kann ich gut nachvollziehen, wenn ich das besagte Paxman Serie 4 und mein altes Knopf nehme, spielt sich das "neue" schon leichter und in der oberen Oktave rasten die Töne leichter ein, dafür ist der Klang vom Knopf einfach toll...

Hab ich in dem Zusammenhang etwas vergessen?
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Re: alt vs. neu

Beitragvon Peter » Do 11. Dez 2014, 11:16

oppitz hat geschrieben:- lieber ein gebrauchtes "Profi"horn für den gleichen Betrag (ca. 4000,-) ? ... obwohl man für dieses Geld fast auch bereits Instrumente von Cornford, Finke, Willson und Otto bekommt... aber eben auch gebrauchte Topmodelle, ja sogar Triplehörner...
oppitz hat geschrieben:Worauf bei gebrauchten Instrumenten achten? ... abgesehen, vom persönlichen Gefallen, wie es sich spielt und klingt.

Das ist auch Ansichtssache. wenn ich ein gebrauchtes 103kaufen kann, muss ich es wahrscheinlich auf/ausbessern lassen (z.B. neue Mundröhre von Cornford). Wahrscheinlich ist es besser, ein neues Horn zu kaufen. Für die Qualität eines Cornford "Profihorn" könnte ich garantieren.

- Ventildichtigkeit (wie wichtig ist die und wie testet man die - ausser mit dem berühmten "Plopp" beim abziehen ohne das Ventil zu drücken? Auf amerikanischen Seiten geben die oft sogar ein Prozentsatz der "Kompression" an.... wie ermitteln die denn dann 80%, 90% 100%?)

Ventildichtigkeit ist schon wichtig. Andererseits, bei einer Hornistenbefragung vor 35 Jahren von Gebr.Alexander unter meiner Federführung ergab erstaunlicherweise, dass sehr viele Hornisten eine leichte Undichtheit bevorzugten, da dann Bindungen leichter und das "poppige" Einrasten der Töne weniger auffällig wären. Nun, wie auch immer, ich bin heute doch für dichte Ventile, die aber im richtigen Drehsinn, also gegen die Luft, laufen, denn das vermeidet das "Ploppen".

- noch mal zum Material... Da gibt es die berühmte "rote Pest", also den Zinkfraß, wobei ich selber ein Herbert Fritz Knopf aus den 40er Jahren habe und seit ich denken kann, hat es 2 rote Punkte, die werden nicht grösser und halten nun schon länger, wie manches Horn im Ganzen.

Der "Zinkfrass" ist heute ein Problem. Es scheint wohl daran zu liegen, dass heute fast ausschließlich "Recycling Messing" benützt wird, welches besonders auf die Ausdünstungen des Bläsers reagiert Sehr alte Hörner (Naturhörner) kennen dieses Problem nicht!

- Material Frage 2 ... manchen sprechen von "Ermüdung"... was genau ist damit gemeint (das Material selber, was an Spannung verliert oder Lötstellen, die sich lösen) und wie findet man heraus, ob das betreffende Instrument "ermüdet" ist?

Das ist ein häufig benutztes Argument. Es gibt aber dafür keine handfesten Beweise. Es geht hier vielleicht um die Frage, ob weicheres oder gehämmtes Material eingesetzt wird. Die meisten historischen Instrumente sind aus weichen wenig gehämmerten Messing. Ermüdungserscheinungen des Materials konnte ich bei diesen alten Hörnern eigentlich nicht entdecken. Gebrochene Lötstellen müssen natürlich repariert werden. Lötstellen brechen meist an Stellen, die unter Spannung stehen, also Biegungen die etwas gewaltsam zusammen gefügt sind - sie haben nichts mit Materialermüdung - wie oben besprochen - zu tun. Evtl. mit Silberlot reparieren?!

Eine gänzlich andere Frage kam nach einem Telefonat mit einem Verkäufer eines angesehenen Horngeschäftes auf. "Moderne" Hörner würden sich generell leichter spielen und die Töne besser "einrasten"... Ab wann ist ein Horn "modern" - aber den Effekt kann ich gut nachvollziehen, wenn ich das besagte Paxman Serie 4 und mein altes Knopf nehme, spielt sich das "neue" schon leichter und in der oberen Oktave rasten die Töne leichter ein, dafür ist der Klang vom Knopf einfach toll...


Das sind in der Regel Verkaufsargumente!
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Re: alt vs. neu

Beitragvon oppitz » Do 11. Dez 2014, 17:12

Lieber Peter, vielen Dank für Deine Antwort(en).

ich lese v.a. eines heraus - der Einzelfall entscheidet (wie eigentlich immer).

Noch einmal zu den Ventilen und deren Dichtigkeit. Wie misst man 80% Kompression? wie laut und heftig muss ein "Plopp" sein, damit es (100% ???) dicht ist? Wenn es gar nicht ploppt heisst es ja aber nicht, dass das Horn unspielbar wäre...

Zum Material... seit wann ist "heute"? und... haben die diversen Hersteller unterschiedliches Messing (oder allgemein Material) oder ist der Rohstoff von Alexander über Dürk zu Kühn der gleiche?

Material zweite Rückfrage: was genau meint "gehämmtes" Material. Lötstellen ist ja eh klar, war nur eine Verständnissfrage, ob man das unter "Ermüdung" versteht, die sind ja leicht herauszufinden und zu reparieren.
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Re: alt vs. neu

Beitragvon oppitz » Mi 31. Dez 2014, 11:33

Lieber Peter, um das Forum nicht ganz für mich einzunehmen, habe ich Dir eine private Nachricht geschrieben.

Gruß - Oliver
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