Naturhornschule

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Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Fr 26. Jun 2009, 19:41

Liebe Forumsteilnehmer,

wer kann mir einen Tip geben, welche der üblichen Naturhornschulen am empfehlenswertesten ist?
Bekannt ist mir nur die Schule von Schantl. Aber Stiegler und F. Orval sollen auch welche geschrieben haben. Ist Euch eine Schule von Fröhlich bekannt? Sie soll angeblich noch älter sein als die von Gallay.
Vor allem ein Schule, die für Anfänger (am Naturhorn) nutzbar ist, wäre von Interesse.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon HHHornist » Fr 26. Jun 2009, 22:04

Also ich selbst spiele auch Naturhorn und habe nie eine "Schule" verwendet. Ich hab zwar bei Prof Orval studiert, hab damals auch in seine Naturhornschule reingeschaut, kann sie aber überhaupt nicht empfehlen.

Wenn ein Hornist sein F-Horn einigermaßen beherrscht, genügt meiner Meinung nach eine Etüdensammlung (natürlich Naturhorn-Etüden) und dann gehts los.

Sehr nett sind auch entsprechende Duette z.B. die Sammlung von Otto Stösser.
Die spiel ich auch manchmal mit meinen Schülern (natürlich auf dem "simulierten" Naturhorn)
Mit Mozart sollte man vielleicht nicht anfangen ;)

Gruß
HH
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Fr 26. Jun 2009, 22:20

Meine Schüler halte ich dazu an, möglichst viel auf dem "simulierten" Naturhorn zu spielen und schreibe ihen such entsprechende Stücke.
Nun ist es ja so, daß alle Hornisten vom Ventilhorn her kommen und sich dann erst dem Naturhorn zuwenden. Und so richtig funktioniert die Stopferei zwecks chromatischem Spiel auf dem weit mensurierten Ventilhorn auch nicht wirklich. Noch in der Schule von Franz steht geschrieben, daß es besser wäre, erst Naturhorn zu lernen. Dem ist wohl so, doch läßt sich das heute nicht durchsetzen. Was mich vor allem interessiert, ist die Methodik, die alte Hornschulen beinhalten. In welchen Punkten unterscheiden sie sich von modernen Schulen, besonders was Atmung und Ansatz angeht, was stehen für "Tricks" drinnen, die heute vielleicht vergessen sind oder übersehen werden?
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Prof » Sa 27. Jun 2009, 02:33

Grundsätzlich ist Oskar Franz´ Forderung erst Naturhorn zu lernen richtig. Bei mir war es auch so. Das heißt aber nicht, daß man unbedingt bis zu einem Mozartkonzert kommen muß. Das Naturhornlernen muß nach dem beginnenden Ansatzaufbau NEBEN dem Ventilhorn weitergehen. Aber es hilft ungemein, akkordisch zu denken. Beim späteren Transponieren ist das von großem Vorteil.

Die Naturhornübungen (ohne Manipulationen !) von Freiberg sind da zu nennen (160 Übungen). Die Hornschule von Heinrich Domnich und Frederic Duvernoy (auch schöne Duos und Trios). Punto´s Hornmethode (eigentlich die Methode Hampls, die sein Schüler Punto veröffentlichte.Es wird aber nichts erklärt.). Die Schule von Fröhlich ist eher allgemeiner Art und meist nur Text, aber trotzdem interessant.

Die meiste Information gibt es in der Domnich Methode. Die große, ursprünglich dreibändige Schule von Dauprat ist natürlich das A & O für den Naturhornbläser, aber in der Neuauflage in Englisch sehr, sehr teuer und ein riesiger Wälzer in Quartformat und einige Kilo schwer. Mein Original hat Richard Seraphinoff und seiner damaligen Frau bei der Erstellung geholfen.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Kap_Hoorn » Sa 27. Jun 2009, 07:56

Irgendjemand hat mal gesagt: "Naturhorn lernt man nicht, Naturhorn kauft man sich" ;)

Ich persönlich kann den ersten Band der Kopprasch-Etüden empfehlen. Diese sind zwar nicht explizit für Naturhorn geschrieben, aber sie machen auf dem Naturhorn viel Spass und man lernt auch einiges dabei.

Beste Grüße
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Sa 27. Jun 2009, 08:39

Schon mal herzlichen Dank für die vielen Tips!
Ich muß dem Prof beipflichten, wenn er sagt, daß das akkordische Denken (ich vermute, er meint das tonartbezogene Denken) dadurch sehr gefördert wird. Naturhornübungen sind für mich selbst sehr wertvoll und auch meine Schüler lasse ich von Anfang an viele Naturhornübungen machen. Selbst das B-Horn mit Stopfventil kann man bis zum D-Horn herunterstimmen, wenn man alle Ventile drückt und die Züge entsprechend noch auszieht. Ein völlig anderes Spielgefühl als etwa am kurzen B-Horn. Besonders das Feingefühl in den Lippen wird dadurch gut trainiert.
Die Duette und Trios von Duvernoy kenne ich; sie sind aber eher für fortgeschrittene Schüler denkbar.
Ich werde mir mal die eine oder andere der empfohlenen Schulen ansehen und dann entscheiden, was ich mir zulege.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Prof » Sa 27. Jun 2009, 16:09

Mit dem Wienerhorn, das ja in den Becherabmessungen dem klassischen Naturhorn der Zeit Mozarts und Haydns entspricht, sind Naturhornübungen incl. der manipulierten Töne sehr gut auszuführen. Die Schulen Duvernoys und von Dauprat sind das non-plus-ultra des Naturhornspiels. Man erfährt auch, daß manche schnelle Figuren mit an sich völlig falscher Handposition im Becher tadellos, aber meist viel schneller ausführbar werden. Das sind dann die essentiellen Tricks, ohne die mehr als einfachstes Naturhornspiel nicht funktionieren kann. Das alles setzt voraus, daß man die Naturtonreihe wirklich intus hat, aber mit allen Feinheiten. Die einzelnen Tonarten solte man echt beherrschen oder mit dem Naturhorn beherrschen lernen. Es zeigt sich dann, daß auch hier der Quartabstand zueinander gehöriger Hörner wichtig ist, wodurch sich manche hohe Partie auf dem tieferen "komplimentären Horn" wegen des geringeren Einsatzes der Becherhand sauberer ausführen lassen, was wieder sicher der Hauptteil der Leser kaum glauben mag. Mit Hirn üben ist eben alles und nicht "einochsen". Was man bei den tieferen Hörnern mit geringsten Handbewegungen leicht krrigieren kann, wird auf dem "kürzeren Rohre" zur Unmöglichkeit. Das erklärt auch die Preferenz der Hornstimmungen in F, E, Es und D, wobei das Korrigieren beim langen D-Horn schon wieder problematisch wird. Haydn hat z.B. in seinen Hornkonzerten deshalb kaum manipulierte Töne.

Bin noch immer in Bangkok und habe keinerlei Unterlagen dabei, alles ist so "aus dem Hut" oder "freihand" geschrieben. Bis bald wieder von zu Hause.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Thomas » So 28. Jun 2009, 13:35

Die Gottfried von Freiberg Naturhornschule ist für ältere Anfänger (also nicht im Kindergarten oder Grundschulalter), für Parforcehornbläser und für Umsteiger von Trompete auf F-Horn gut geeignet um Treffen zu lernen und ein Gefühl fürs Horn zu bekommen.
Es werden allerdings ausschließlich die Naturtöne gefordert. Manipulierte Töne sind nicht Gegenstand der Schule.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Prof » Mo 29. Jun 2009, 01:16

Ich muß zugeben, daß der Titel "Naturhornschule" für die Naturhornschule Freibergs etwas verwirrend ist. Aber es steht deutlich drauf: 160 Übungen für Naturhorn. Schantls Naturhornteil seiner Hornschule befaßt sich auch nicht mit den "manipulierten" Tönen. Beide Werke sind aber sehr nützlich.

Es sollte hier gesagt sein, daß eben beim Erlernen eines Musikinstrumentes die heute bevorzugte Methode des Schulekaufens und des anschließenden Selbstunterrichts sehr enge Grenzen setzt. Wenn dann noch Voreingenommenheiten dazu kommen, kann man sich das beschränkte Ergebnis leicht vorstellen.

Es ist immer besser, die Dinge unter der Hilfe eines Fachlehrers anzugehen. - Ansonsten kann ich der oft zu hörenden "Herumheulerei mit dem Naturhorn" absolut nichts Positives abgewinnen. - Es gibt allerdings einige Bläser, die meist vom Anfang an mit dem Naturhorn dabei waren (d.h. es war schon am Anfang des Studiums ein Teil der Ausbildung und lief dann immer parallel mit dem eigentlichen Studium !) und die deshalb außergewöhnlich schöne Aufführungen bieten können.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Mo 29. Jun 2009, 15:44

Jetzt bin ich aber leicht irritiert. Entnehme ich dem letzten Beitrag von Prof, daß während des Hornstudiums das Naturhorn nicht vorkommt??? Das Thema Instrumentenbau wird scheinbar auch nicht intensiv (zumindest theoretisch) beleuchtet... Was wird denn dann im Hornstudium überhaupt studiert (gelehrt)? Wer sich heutzutage zu einem Studium entschließt, muß ja schon besser sein, als ein Absolvent vor 30 Jahren. Eigentlich brauchte er ja gar nicht mehr zu studieren, wenn das Praktische dem Niveau eines Profis entspricht (entsprechen muß / sollte).
Als Laie habe ich ja keinen Einblick in irgendwelche Hochschulen. Aber ich gehe davon aus, daß, wer sein Fach studiert hat, zu 150% ausgebildet ist (100% brauchts ja schon zu Beginn). Und das in allen Bereichen seines Fachs.

Zum Selbstunterricht:
Der alte Kuhlo (Begründer der Posaunenchöre) schrieb: "Ein guter Bläser bringt sich das Blasen selbst bei!" Was dabei rauskam, hat man fast 100 Jahre lang in den Chören gehört........ :roll:
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