Wagnertube in F, 5-ventilig

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Wagnertube in F, 5-ventilig

Beitragvon Neikirnger » Mi 7. Mär 2018, 20:25

Dieser Beitrag wendet sich hauptsächlich an Kolleginnen und Kollegen, welche die Wagnertube in F
spielen und an alle amThema Interessierten.

Vorweg:
- wenn ich Kollege/Spieler oder ähnliches schreibe, ist das geschlechtsneutral gemeint!

Mein Name ist Eberhard Kaiser, ich bin 4.Hornist der Staatskapelle Dresden mit Nebeninstrument Wagnertube in F.

Ich möchte Euch gerne meine mehr als 20 Jahre alte, 5-ventilige Hoyertube vorstellen.

Dieses Instrument wurde für mich angepasst und ist nach meinem Kenntnisstand nur einmal in dieser Ausführung gebaut worden, für mich unverständlich, denn es hat spieltechnisch extreme Vorteile gebracht.
Damit diese einfache, aber sehr nützliche Veränderung einem gößeren Kreis bekannt wird, schreibe ich diesen Beitrag.
Es handelt sich um eine echte 5 ventilige Ausführung durch ein mit einem Daumendrücker versehenes Zusatzventil im Stimmzug des 4.Ventils, zu greifen mit dem rechten Daumen, geliefert 1996 an die Staatskapelle Dresden/Semperoper.
Ursprünglich war dieses Ventil nur mit einem kleinen Knebel versehen (wie bei den sogenannten A-Ventilen im Stopfventil bei B-Hörnern). Nach Rücksprache mit dem damaligen Werkstattmeister wurde ein Drücker angebaut, das hat eine sehr große Erweiterung der möglichen Spieltechnik zur Folge.
Es ist nun möglich – auch während des Spielens schneller Tonfolgen - einen der Gesamtlänge des Rohres entsprechenden Halbton zuzuschalten.
Ohne die rechte Hand vom Instrument nehmen zu müssen, um am Stimmzug herumzuziehen oder den kleinen Knebel zu drehen, drückt man einfach das Ventil mit dem rechten Daumen.
Später wurde durch die Firma Andreas Weller in Dresden noch ein Anschlag für den "Zug im Zug" eingebaut und die Ventilbüchse aufgebohrt, damit beim Ausziehen/Hineinschieben des Zuges kein Unter-/Überdruck entsteht.
Insgesamt ist das Instrument durch diese Veränderungen in Intonationsfragen sehr flexibel geworden -
ohne das übliche Nach-unten-Drücken oder Nach-oben-Heben bei besonders kritischen tiefen Tönen.
Da der zugeschaltete Stimmzug länger ist als das 2.Ventil, kann man die entsprechenden Töne einfach greifen.

Beispielsweise das
tiefe F : 4.+2.+Daumen (wobei das Daumenventil auf Anschlag ausgezogen ist)
tiefe Ges : 4.+Daumen

Gerade im Zusammenspiel mit der Kontrabasstuba (im Ring oft als Oktaven) habe ich diese Möglichkeiten als sehr angenehm empfunden.


Vielleicht hat jemand Interesse das einmal auszuprobieren, verlangt einfach diese Ausführung bei Eurem Instrumentenbauer.

Viel Erfolg!
Eberhard
Dateianhänge
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einstellbarer Anschlag für den "Zug im Zug" des 4. Ventils
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"Zug im Zug" ausgezogen für das tiefe F
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Neikirnger
 
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Re: Wagnertube in F, 5-ventilig

Beitragvon Alfons Vernooy » Sa 10. Mär 2018, 19:13

Vielen Dank für diesen interessante Information.

Diese Art Lösung gab es auch beim B Trompete rund 1950 als eine Möglichkeit leicht aufs A Stimmung zu wechseln, was besonders beim Französichem Musik aus dem 19th Jahrhundert erforderlich war.

Heutzutage hat z.B. einer der Yamaha piccolo Trompeten eine derartigen Lösung am dritten Ventilzug.

Ich bin sicher das irgendwo eine Kollege diese Lösung schätzen wird.

Alfons
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Re: Wagnertube in F, 5-ventilig

Beitragvon Alex103 » Di 28. Jan 2020, 15:58

Sehr geehrter Herr Kaiser,

vielen Dank für die tolle Anregung. F-Verlängerungszüge und Stopfventile mit Umschaltventil sind ja eigentlich bestens bekannt und so ist diese Lösung so naheliegend wie genial. Das Instrument (Mundrohr) bleibt unberührt. Der Widerstand und die Ansprache ändert sich nicht, da wie bei einer Basstuba kein Zusatzventil zwischen Mundstück und Ventilstock eingebaut wird. Falls der Zug mit Verlängerungsventil nicht gebraucht wird, kann einfach wieder der normale 4. Ventilzug eingesetzt werden. Die nur bei der Bedienung des 4.Ventils mögliche Zuschaltung des erweiterten Halbtons für das in F notierte F, Ges oder auch Des ist absolut ausreichend und die dann zusätzlich mit dem Daumen gegriffenen Töne sind besser zentriert und müssen nicht "fallen gelassen" werden.

Die Position der Drückers muss ich evtl. nochmals überprüfen und ggf. umbauen lassen.

Viele Grüße

Christoph Mayer

Wagnertube Alexander 111.JPG
Wagnertube Alexander 111.JPG (54.47 KiB) 2183-mal betrachtet

Zuschaltventil.JPG
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Re: Wagnertube in F, 5-ventilig

Beitragvon Peter » Di 28. Jan 2020, 18:47

Lieber Eberhard Kaiser,

vor dem gleichen Problem mit F-Tube stand ich auch.

Meine Idee war das 4. Ventil als um einen Ganzton erhöhendes Ventil zu bauen Ähnlich den alten französischen Hörnern, deren 3. Ventil ein "Ansteiger" ist. Bei meiner Bauweise waren alle D/d's perfekt und alle Cis/cis mit 4/2 auch sehr gut.Ich habe es mit großen Erfolg im hr- Sinfonieorchester eingesetzt.
Das Problem der Kollegen war, dass sie sich grifftechnisch unsicher fühlten, weil sie das Prinzip nicht so richtig verstanden.

Eine Kombination Ihrer Idee mit dem französischen System würde das Problem mit den fehlenden Töne in der Tiefe, also das große F , E und ES. beheben Mein Nachfolger hat sich das Instrument wieder zurückbauen lassen.

Mittlerweile habe ich mit Cornford eine Doppeltube mit dem Walzensystem nach Lehmann bauen lassen. Diese spielt sich wie ein ganz normales Doppelhorn und stimmt auch extrem gut. Sie hat einen graden Schalltrichter, damit der rechts von mir sitzende Kollege nicht die Ohren vollgetönt bekommt. Sie wird nicht auf dem Schoß gelegt, sondern hängt an einer Saxophonschnur. Sie ist so leicht, wie eine B-Tube

Schauen Sie bitte auf meine Webseite: www.pethorn.de und dort unter "Peters Hörner"
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