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Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Di 11. Aug 2009, 20:04
von Prof
Joseph Leutgeb
Leutgeb-Story


Joseph Leutgeb, der Hornist für den Mozart seine Konzerte schrieb, bedeutet für uns Hornisten sehr viel. Deshalb soll die Lebensgeschichte des oft als „geistig beschränkt“ hingestellten Musikus richtig gestellt werden. Mir liegen nach kurzen Nachforschungen ganz neue Erkenntnisse vor, die von vielen Musikologen-Schreiberlingen gerne übersehen wurden, da sie ihnen höchst unwillkommen gewesen wären. Meist wurde gar nicht geforscht, sondern nur der Unsinn anderer weiter abgeschrieben. Es gab allerdings auch Ausnahmen wie Ernst Hintermaier und den von ihm 1972 zitierten Karl Maria Pisarowitz oder Michael Lorenz. Ich bin nun den Informationen Karl Maria Pisarowitz´ und Ernst Hintermaiers, in die sich leider auch Rechenfehler eingeschlichen haben, nachgegangen. Außerdem versuche ich, die scherzhaften, unter engen Freunden wahrlich nicht beleidigenden oder herabsetzenden Bemerkungen Wolfgang Amadeus Mozarts mit dem musikalischen Text im D-Dur Rondo K.514, das ich schon vor der Deutschen Mozart Gesellschaft in Krakau 1979 aufstöbern durfte, in Übereinstimmung zu bringen. 
Nun erst einmal die Fakten:
Seit C.F. Pohl´s auf Grundlage der Societäts-Acten bearbeitete Denkschrift aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Tonkünstler-Societät, im Jahre 1862 reorganisiert als „Haydn“, Witwen- und Waisen-Versorgungs-Verein der Tonkünstler in Wien, 1871 erschien, kennen wir Geburts- und Todesdatum Joseph Leutgebs, der allerdings im Societätsverzeichnis unter der Mitgliedsnummer 146 mit Eintritt 16. November 1787 fälschlicherweise als „Ignaz“ Leutgeb eingetragen ist. Damals war er, endlich wieder in fester Anstellung, Mitglied der Hofkapelle des Fürsten Grassalkovich in Pressburg, wohnte aber nach wie vor mit seiner zweiten Frau im eigenen Haus in Altlerchenfeld No.32, heute Wien VIII., Blindengasse No.20. Das Haus hatte er zusammen mit seiner ersten Frau Barbara geb. Plazzeriani am 6. Februar 1779 als Meistbietender ersteigert. 
Leutgeb wurde am 8. Oktober 1732 in Wien Neulerchenfeld, Pfarre St.Ulrich (Maria Trost) geboren. Er starb am 27. Februar 1811 in seinem Haus Wien Altlerchenfeld No.32. Aus der Jugend Joseph Leutgebs und von seinen Eltern und deren Herkunft ist vorerst nichts bekannt, da die Kirchenmatrikel der Wiener Pfarre Neulerchenfeld gerade in den Jahren der Geburt Leutgebs kriegsbedingte Lücken aufweist. Jedenfalls ist er in der Mitgliederliste der Haydn-Societät  unter der Mitgliedsnummer 146 mit geboren am 8. Oktober 1732 eingetragen. Dittersdorf, sehr von Prinz Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, dem erfolgreichen General und Ehemann der sehr viel älteren, aber steinreichen Nichte Prinz Eugens von Savoyen, gefördert, berichtet von einem Konzertabend im Wiener Palais des Prinzen, bei dem er „einen Leutgeb auf einzelnem Waldhorn zu hören bekam“. Es ist aber ein Leutgeb ohne Vornamen. Es stellt sich im Verlauf der Forschung heraus, daß es auch einen Hornisten Leopold Leutgeb gab, der vom 2.Oktober 1779 bis zum 9. April 1784 erst ohne Vornamen dann als Leopold Leutgeb in den Rechnungsbüchern der k. k. Hoftheater als 2. bei den Corni auftaucht und mit einer Dreimonatsbesoldung in der Höhe von 87,30 Gulden als Abfertigung aus dem Dienst scheidet. War es etwa ein Bruder unseres Joseph Leutgeb ? Andererseits wurden „dem Leutgeb Joseph, Waldhornisten, für extra Dienst statt des erkrankten (1. Hornist am Nationaltheater Jakob) Eisen 31 fl. ausbezahlt“.  
Wir haben keine Erkenntnis bezüglich der musikalischen Ausbildung Leutgebs. Er taucht eben plötzlich erstmals im Bericht Dittersdorfs über die Konzerte im Sachsen-Hildburghausenschen Palais in Wien auf. Zwischen 1761 und 1763 erscheint Leutgeb als Hornvirtuose mehrfach in den Programmen des Hofburgtheaters mit Werken von Leopold Hofmann, Dittersdorf sowie von Joseph und Michael Haydn (Philipp Gumpenhubers Repertoire der Aufführungen im Hoftheater, das ich an der Universität in Salzburg einsehen konnte.).
Burgtheater (Theater an der Burg)
1757: im Orchester 1 Basson + 2 Corns de Chasse (Starzer und Daniel Ruscher)
1758: p.39 Orch. Cornes de Chasse Winckler + Stadler
1759: p.84 Corns de Chasse Starzer & Daniel Ruscher
1761: 27.Nov. Le 2e Academie de Musique ont chant
p.70 Le S.r Leitgeb sur le Corn de Chasse
Kärntnerthortheater 1761 p.5 Cornes de Chasse Starzer le Pere et Starzer le Fil(s)
1762
Ven.15.01. Academie de Musique
Sig. Leitgeb joue un Concert sur le Cor de Chasse
Sam.16.01. Le Matin. Repetition de Cythere assiegee avec les Choeurs et deux Cors de Chasse extraordinaires et trombettes
Ven.29.01. Le S.r Leitgeb sur le Cor de Chasse, Charles Ditters sur le Violon
02.03.1762 Leitgeb sur le Cor de Chasse
2.e Academie de Musique
Toutes les Pieces ont de entremelees des symphonies
La 2° di Sr.Hoffmann
09.03.1762 Leitgeb sur le Cor de Chasse
La 5° Academie
März 1762, Hörner Gretsch & Keyser
12.04. Cors Leitgeb & Heger
Etat de Musique
Mer.11.05. Leitgeb sur le Cor de Chasse au nouveau de la Compositions du Sr.Hoffmann
Ven.02.07. Le Sr Leitgeb sur le Cor de Chasse de la Composition de Sr.Michel Hayde, Toutes les pieces
08.08.1762 Concert joue le S.ieur Leitgeb un nouveau sur le Cor de Chasse
Ven.10.12. Le Sr Leitgeb sur le Cor de Chasse 
Hat die Patenschaft Apollonia Haydns für Barbara Leutgeb etwa mit der Aufführung von Haydns drittem Hornkonzert Hob.VIId/3, das Haydn 1762 „im Schlaf“ komponierte und das uns heute als 1.Konzert in D-Dur geläufig ist, zu tun ? Dann wäre Leutgeb nicht der „Secundhornist“ gewesen, sondern eher ein „Primhornist“ oder der „Universalhornist“ mit einem besonders guten hohen Register. Hat er Haydns Konzert etwa in der Aufführung im (alten) Burgtheater uraufgeführt ? Was hat er von Dittersdorf gespielt ? Da würden hohe Divertimenti passen. Von Leopold Hofmann habe ich da etwas gefunden. Jedenfalls war Joseph Leutgeb in dieser Zeit angeblich der meistgefragte freischaffende Hornist in Wien. Der Aufnahmeakt Leutgebs in die Haydn Societät ist wie fast der gesamte Aktenbestand verschollen. Vor seinem Engagement in Salzburger Diensten trat  Leutgeb auch mehrmals in oder mit der von Joseph Haydn geleiteten Hofkapelle des Fürsten Esterhaz auf. Es war aber nur ein einmonatiges Gastspiel. 
Joseph Leutgeb und Barbara, die Tochter des bürgerlichen (welschen) Käse- und Wursthändlers Blasius (Biagio) Plazzeriani [Kas-Stecherey] und dessen Frau Catherina, beide noch am Leben, wurden am 2. November 1760 von Pater Johannes in der damaligen Vorstadtpfarrei St. Ulrich (Altlerchenfeld) getraut. Während Braut und Brauteltern in der Pfarre zuhause waren, kam Joseph Leutgeb aus der unmittelbar benachbarten Pfarre Neulerchenfeld. Der Heiratseintrag dokumentiert dies auf Seite 154 im 24. Band (1759/62) wie folgt: 
„Josephus Leütgeb, ledigst(ands), ein Musicus, wohnhaft in Neü-Lerchenfelder-Pfarr, gebürtig aldort …“. Das „gebürtig aldort….“ kann wegen des kriegsbedingten Verlustes (1945) gerade des Matrikelbandes mit dem Jahr 1732 nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Vielleicht finden sich dazu in den angefragten Unterlagen noch Hinweise. Ein Eintrag zu dem Hornisten Leopold Leutgeb  in den Jahren davor oder danach wäre mehr als eine Sensation. Könnte es ein Bruder, Cousin oder sonstiger Verwandter gewesen sein ? Der Heiratseintrag fährt fort:  
„… Nimbt zur Ehe die Ehrn und Tugendsame Jungfr[au]: Barbara Plazzeriani-in, wohnhaft in [im] Heyl[igen]: Geist [Hausname!] im [Alt-]Lerchenfeldt, gebürtig allhier, des Blasy [Blasius] Plazzerinani, eines burg[erlichen]: Käß- und Wurstmachers, und Catherinae dess[en]: Ehewürthin, beed noch in [im] Leben, erzeugte Tochter. Test[es]: H[err]. Gottfried Zehr, k.k. Täts[Tax]-Ambts-Officiant in d[er] Statt [Wien]: H. Paul Marelli, bur[erlicher] Leim-sieder, in [im] Heyl[igen] Geist l[erchen].f[eld]. Cum Dispensione [aufgebotsbefreit]. Cop[ulati]. Die 2:gbris/1760/. R[everendus].P[ater].Johannes“  
Lt. Auskunft der Pfarrei war es der 26. Oktober 1760. (Angaben in [ ] sind Ergänzungen. 
Dem jungen Paar hat es mit der Heirat offenbar ziemlich pressiert, wurde doch der Erstsproß Ernst Leutgeb, der dann vor seinem Vater gestorbene spätere Uhrmacher, noch Ende 1760 oder gleich am Anfang 1761 geboren. Altlerchenfeld ist heute der VII. Wiener Gemeindebezirk, während Neulerchenfeld unmittelbar benachbart den XVI. Wiener Bezirk bildet. 
Vor Leutgebs Übersiedlung wurde die erste Tochter, Anna Maria Katharina, deren Taufpatin Joseph Haydn´s freigiebige Gattin Maria Anna Apollonia sein sollte, geboren. Haydn war übrigens, da am 7. März geboren, nur knapp sieben Monate älter als Leutgeb. Das Haydn-Ehepaar schloß einen Monat  nach den Leutgebs in St.Stephan (26. Nov.1760) den Bund fürs Leben. Leutgeb und Haydn waren sicher schon seit der Frühzeit Haydns in Wien miteinander gut bekannt. Man kannte sich damals in der relativ engen Welt der Musiker einfach von vielen Gelegenheiten her. Wie heute auch sprach sich Qualität stets herum. 
Taufbuch St. Ulrich: Taufband 30 (1760/62) Seite 314: 
„Josephus Leüthgeb, ein Musicus in der golden(en) Aul (Eule) allhier/ Barbara ux(oris). Infans: Anna Maria Catherina / 3. julius 1762 / Matr(ina): Frau Maria Anna Haydenin mar(ita): H(err). Joseph, CapellM(ei)st(e)r von Fürst Esterhaz, abs(entibus)”
Angeblich verstarb diese Tochter bald. 
Bald darauf dürfte die Leutgeb-Famile nach Salzburg aufgebrochen sein, da der musikbegeisterte Fürstbischof Sigismund III. Christof Graf von Schrattenbach Leutgeb ins Hoforchester verpflichten ließ. Der ganz junge Mozart und Vater Leopold Mozart könnten Joseph Leutgeb mit ziemlicher Sicherheit bereits 1762 in Wien kennengelernt haben. Vielleicht haben Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart den Joseph Leutgeb sogar mit dem Haydn Konzert gehört.  
Nun war dann Leutgeb zehn Jahre lang Jägerhornist und Violinist in der Salzburger Kapelle. Leutgeb erhielt eine Besoldung von 300 Gulden jährlich., wie wir aus der 1769 eingereichten Beschwerde des Salzburger Gesangsrepetitors und Hofsängers Joseph Nikolaus Meißner (1728-95) erfahren: „… Ich genüsse nicht mehr besoldung als andere, nemlich monatlich 25 fl. (Gulden), wo doch ein Leitgeb, der nur ein Instrumentist, sohin nicht in den halben Fälle, wie Ich zu gebrachen ist, monatlich 30 fl. zu erhollen hat…“ (W. Rainer: Anton Cajetan Adlgasser, in Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde“, Salzburg 1965, Bd.105, S.218). Das ergäbe für Leutgeb ein Jahressalär von 360 fl. , das dreieinhalbfache Salär eines Taglöhners, also ungelernten Arbeiters. Die Einkünfte festangestellter Hornisten in Wien oder München waren mit meist dreihundert Gulden jährlich das ganze siebzehnte Jahrhundert hindurch eigentlich festgeschrieben und somit auch nicht höher. Mozart erhielt in Salzburg ein Anfangsjahresgehalt von 150 fl. Später, als Hofkompositeur des Kaisers betrug sein Jahresgehalt 800 fl. 
Leutgeb dürfte auch Johann Michael Haydn nach Salzburg empfohlen haben (siehe die Romance des K.447 in der "Reconstruction" von Michael Haydn, heute in der Musikbibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek in München.
W.A. Mozart muß sich mit dem „Hornistenonkel“ ziemlich schnell angefreundet haben, da er ihn doch schon auf der großen Westreise der Familie Mozart bereits in Augsburg schmerzlich vermißt. Am 14. September 1763 wurde Joseph Leutgeb zum dritten Male Vater. Sein Frau schenkte ihm wieder einen Sohn, Johann-Anton-Franz (Leitgeb); Taufpate: Johann Anton Kolb, Senator und bürgerl(icher). Handelsfacteur[(Fürst-)Erzbischöfl. Dompfarramt, Taufb. IX]. Wolfgang Amade nimmt später in Wien auf ihn Bezug (23. März 1782), als er seinem Vater durch Leutgebs Sohn, der mit dem Postwagen nach Salzburg reiste, einige Sachen für die Familie mitgeben wollte:  
„mir ist sehr leid, dass ich erst gestern erfahren habe, dass ein Sohn vom Leitgeb mit dem Postwagen nach Salzburg geht, und ich folglich die schönste gelegenheit hätte/: ohne unkösten :/ihnen vieles zu schicken. - … Nun muß ich schließen, denn der Leitgeb wartet schon auf den brief. – den Burschen empfehle ich Ihnen wirklich, mein lieber Vatter – er möchte ihn gerne in eine Handlung, oder in die Buchdruckerey bringen. – gehen sie ihm doch ein wenig an die hand. – Ich bitte Sie.“ – und noch am 8.Mai: „…wegen dem armen (Vater) Leitgeb haben sie noch ein wenig gedult, ich bitte sie; wenn sie seine umstände wüssten, und sähen wie er sich behelfen muß, würden sie ganz gewis(s) mitleiden mit ihm haben. Ich werde mit ihm reden, und ich weis(s) gewis(s), er ihnen, wenigstens nach und nach zahlen wird: ….“ 
Hatte dieser Sohn vielleicht etwas mit jenem Anton Leutgeb zu tun, der Constanze Mozart nach dem Tode ihres Mannes bei der Sichtung der Papiere und Noten half ? Aus der ersten Leutgeb-Ehe entspossen noch zwei weitere Kinder: Maria Anna Barbara (* 2. Nov. 1765 in Salzburg, † nach 1811, Taufpatin: Maria Ursula Kolb, Gattin des schon erwähnten Salzburger Ratsherrn Johann Anton Kolb; verheiratet mit dem Tanzmeister N. Bauckinger in Wien) und Friedrich Joseph (* 4. Feb. 1773 in Salzburg, † nach 1811 in Wien) wurde also während Leutgebs Abwesenheit – er war gerade bei den Mozarts in Mailand – geboren. Später ergriff er den Beruf eines Bandmachers auf der Wieden (4. Wiener Bezirk) (erwähnt in der Verlassenschaftsabhandlung nach seinem Vater (Hackl: Stadtarchiv Wien, Bemerkung 36). Im Taufbuch der Dompfarre Salzburg befindet sich der Eintrag in Band IX, Seite 308 (G.Croll). Der Sohn Leutgebs wurde nach seinem Paten benannt: „Fridericus Josephus Schmid, Stadtgerichtsprocurator“ aus Kloster Michelfeld in der Oberpfalz
(Ernst Hintermaier, Diss. 1972 „Die Salzburger Hofkapelle von 1700 bis 1806 Organisation und Personal“).  
Aus der Salzburger Zeit Leutgebs gibt es Berichte zu seinem Salär und zu den Kunstreisen, zu denen der Fürstbischof ihn beurlaubte, sowie zu familiär bedingten Fahrten nach Wien. Anscheinend hielt sich Leutgeb vor dem 25. Oktober 1767 längere Zeit in Wien auf, da Leopold Mozart am 29. November 1767 an Lorenz Hagenauer in Salzburg schrieb: „dass herr hayden, herr Leitgeb … uns besuchten … bevor ich aus Wienn gegangen …“ Am 25. Oktober war nämlich Familie Mozart wegen der sich ausbreitenden Pockenepidemie aus Wien nach Olmütz in Böhmen geflüchtet.  (W. Rainer: Anton Caj. Adlgasser …) 
Im Winter 1769/1770 wurde Leutgeb Urlaub für eine seiner „Kunstreisen“ gewährt. Kunstreisen waren in jener Zeit oft gerne gewährte Absenzen, da sie den Ruhm der jeweiligen Kapelle und damit des adeligen Herrn und Inhabers diese Kapelle mehren konnten. Leutgebs Reise fühte ihn u.a. auch nach Frankfurt am Main, wo er zusammen mit dem Konzertmeister der Kapelle Herzog Clemens von Bayern in einem Konzert auftrat und großen Erfolg erntete, wie die Postzeitung in Frankfut darüber berichtete: 
„Unsere Stadt rechnet sich mit bestem Fug zur Ehre, dass die berühmtesten Künstler und Virtuosen solche zu einem Schauplatz erwählen, um ihre Vorzühge und Talente den Kennern bekannt zu machen. Wir haben ohnlängst (19. und 22. Jänner 1770) das Glück gehabt, den Herrn Holtzbogen [1727-1775] Concertenmeister des Herzogs Clemens von Bayern, Hochfürstl(iche). Durchlaucht, auf der Violin, wie den unseren Gegenden schon bekannten [!] Waldhornisten des Hochfürstlich Salzburgischen Hofes, Herrn Leitgeb, auf dem Waldhorn, in einem öffentlichen Konzert zu bewundern. Beyde seynd in ihrer Art von einer so ausnehmenden Stärke, dass sie den Beifall aller Zuhörer erworben haben.“ (Robert Münster: Johann Georg Holzbogen / Kurfürstl Hofkompositeur aus Schwandorf, in „Oberpfälzer Heimat“, Bd. 9 – 1964 -, S. 43-48) 
Hier wurde wieder einmal etwas übersehen: „ ….wie den in unseren Gegenden schon bekannten …..“. Das heißt ganz einfach, daß Leutgeb schon vorher in hessischen Landen oder zumindest in Frankfurt am Main aufgetreten sein muß. Es ist wieder ein Beweis dafür, daß Leutgeb sicher zum Kreis der großen Solisten seiner Zeit gehörte.  
Konzert in Paris 
Ende April oder ganz früh im Mai 1772 bittet Leutgeb („Joseph Leitgeb, hochfürstl(icher), Hofwaldhornist alhier“ um einen vierzehntägigen Urlaub „Zumahlen meine Ehewirthin (Barbara), auf Anverlangen ihrer kranken Mutter (Catherina Plazzeriani), sich vor 5 Wochen nacher Wienn, alwo sie sich Dato befindet, begeben und ich Endesunterthänigster nunmehro auch von meiner Schwiegermutter verlanget werde, um mich vielleicht das letzte mahl zu sehen, und wegen ihrer Verlassenschaft (!) das richtige herzustellen …“
Dieser Sonderurlaub wurde am 8. Mai 1772 vom Erzbischof unter der Bedingung, dass bei nichterfolgter Rückkunft die Besoldung einzustellen sei (Landesarchiv Salzburg: Hofzahlamt 1772), gewährt. Es war jener Graf Hieronymus Colloredo, mit dem auch W.A. Mozart seine speziellen Erfahrungen machte. 
Am 14. und 28. November des gleichen Jahres schrieb Leopold Mozart seiner Frau in Salzburg: „…H(err): Leutgeb (!) will also nach Rom gehen?- - Ich soll ihm schreiben ob hier (Mailand) etwas zu machen wäre? - - dies ist hart zu sagen! …“  und später „…<Sage (dem) H(errn): leitgeb, er soll ke(c)k nach mayland kommen, dan (denn) er würde sich gewiß ehre machen, aber bald.> Ich bitte sage es ihms, dan es liegt mir daran. Adieu.“  
Aus dem gleichen Jahr gibt es noch weitere zehn Erwähnungen in fünf Briefen Leopold Mozarts aus Mailand und fünf Briefen dann aus Wien. Der aus salzburgischen Diensten geschiedene vierzigjährige Hornvirtuose muß am Zenit seiner Laufbahn angelangt sein.  
9. Jänner 1773: „Ich bin verwundert, dass H: Leutgeb (!) nicht eher von Salz(burg): abgereiset, wenn er schon einmahl solche Gedanken hatte…“ 23. Jänner: „..dem Wolfg(ang): ist leid, dass der Leitgeb zu späth kommt, und seine opera (Lucio Silla: 26.Dez. 1772 !) nicht mehr höret…“ (Nachschrift W.A.Mozarts an seine Schwester: „..il sig(nore): leitgeb e partito tante tardi da salisburgo, che non trovera piu in scena la mia opera, e forse non ci trovera nemeno, se non in viaggio…“ 6. Februar: „… der leitgeb ist noch nicht hier angelangt…“ 13.Februar: „..H:Leutgeb ist vor 8 täg (5.Februar 1773!) abends spät angekommen. Den Sonntag darauf kam er zu uns. Dann hab ich ihn 2 Täg nicht mehr gesehen, denn er wohnt in dem Quartier des Mahlers H(errn): Martin knollers, eine starke virtlstund von unserm Quartier entfernt, wo ihn die Wohnung nichts kostet (!). Er hat bis hieher seine Sache ziemlich gut gemacht, und hier wird ein schönes Stück Geld machen, dann (denn) er gefällt erstaunlich, und soll(te) dass (das) Concert vor sich gehen, dass die Cavalier ihm verschaffen wollen, so gieb ich ihm auf der Stelle 100 Cigliati dafür. Der Erzherzog (Lombardei-Statthalter Ferdinand) will ihn auch hören …“ Leopold Mozart schrieb am 20. Feb. 1773 an seine Frau in Salzburg: „Heute gegen 12 uhr mittags kam H.: Leutgeb :den ich schon einige täge nicht gesehen : vor mein Bette, dann ich lag noch im Bette, um auszudünsten, und zeigte mir in einem Schreiben die Nachricht, dass seine Fr(au): mit einem Sohn entbunden worden: gab mir zu gleich 5 ganze Souv(e)rain d´or (ca. 45 Taler), um solche seiner Frau bezahlen zu lassen. Bitte demnach H(erren): Hagenauer alsobald diese 15 Duggten (Dukaten), oder 5 ganze Souverain d´or, oder dessen werth der Frau (Barbara) Leutgebin zukommen zu lassen, die ich ihm dan bey meiner ankunft ersetzen werde, und zwar in Natura …“ 
Diese 5 ganzen Souverain entsprechen im reinen Goldwert heute ungefähr 900 bis 1000 €. Der Kaufwert war aber wegen der im Vergleich zu heute sehr niedrigen Preise für die Familie wesentlich höher, ging es doch eigentlich nur um den Lebensunterhalt. Leutgeb muß allerdings bereits in Wien manchmal ganz ordentlich verdient haben, kostete doch ein eigenes Instrument mit allen Bögen ungefähr ein Jahressalär eines guten Musikers in Festanstellung, also um 300.- fl. (Dr.Horace Fitzpatrick: The Austro-Bohemian Tradition of Hornplaying, Rechnungen zur Anschaffung von Hörnern im Stift Göttweig/Niederösterreich). 
Und nun die Briefe aus Wien:
12. August 1773: „…Die Fr(au): Leutgebin war heut wieder bey mir (in Wien), sie wird noch bis kommenden Son(n)tag über 8 tag hier verbleiben …“ 21. August: „..die Fr: Leutgebin hab (ich) seit der Zeit nicht mehr gesehen. Ihrer Sage nach wird sie morgen mit dem Postwagen (nach Salzburg) abreisen; folglich habe ich sicher geglaubt, sie werde heute zu mir kommen: wäre sie gekommen, so hätte (ich) ihr das Waderl (den Fächer) wieder mit gegeben ..“ 25.August: „…H: Leutgeb ist also (nach) Salzburg gekommen ? – mein Compl(iment):! Seine frau habe (ich) nicht mehr gesehen, so daß (ich) nicht weis(s), ob sie noch hier (in Wien) oder abgereiset ist …“ 28. August: „…von der Frau Leutgebin habe (ich) nichts mehr gesehen, denn wäre sie auch gekommen, da wir nicht zu Hause waren, so hätte Fr(au): Fischerin ihr das Waderl, und wenn sie es genommen hätte, ihr auch 2 baar (Paar) schuehe mit gegeben. Da H: Leutgeb, dem wir unser Compl(iment): vermelden , nun selbst da ist, so mag er meinetwegen reisen wie es ihm beliebt, und sol(l)te er mit der fliegenden Luft Maschine reisen. Das Geld, was ich ihr in Salzb(urg) geliehen, bestehet in 6 Cremnützer-duccatten (Kremnitzer Dukaten), und 5 bayr(ischen): Thalern; ihre obligation (Schuldverschreibung) ist in meinem Kasten, in einer der ersten 2 kleinen Schublädchen lincker hand, wenn du in den kasten greiffest…“ 15.September: „..Hat H: Leutgeb die 6 Crem(nützer): und 5 Thal(er) bezahlt! …“ 
Nach einer mehrjährigen Pause erwähnt Leopold Mozart in einem Brief vom 1. Dezember1777, den er an seine mit Wolfgang Amade in Mannheim weilende Frau schrieb, Leutgeb erneut, und zwar ziemlich ausführlich: „..H: Leutgeb, der itzt in einer vorstatt (Altlerchenfeld) in Wienn ein kleines schneckenhäusl mit einer kässte(ch)erey auf Credit gekauft hat, schrieb an dich und an mich kurz, nachdem du abgereist (23. Sept.), und versprach mich zu bezahlen mit der gewöhnlichen voraussetzung der Gedult, bis er beym käs-Handl reicher wird, und von dir verlangt er ein Concert. Nun wird er aber schon wissen, dass du nicht mehr in Salzb(urg): bist…“  Leopold Mozart hat da offensichtlich einiges verwechselt oder nicht genau gewußt. Und auf diesem Brief basiert der ganze Unsinn vom Käsehändler Leutgeb.
Pisarowitz meint dazu, dass der Kredit zur Neueinrichtung des Wohnerbes seines verstorbenen Schwiegervaters dienen sollte, da ja dessen Witwe diese Käse- und Wurstgerechtigkeit, also das Recht, Käse und Wurst herzustellen, bereits anderweitig vergeben hatte. Im Archiv der Stadt Wien fanden sich Nachweise darüber.
Am 6. Februar 1779 erwarb das Ehepaar Leutgeb bei einer Versteigerung das kleine Haus Altlerchenfeld No.32 „Zu der hl. Dreyfaltigkeit in der Kayserstraße“ (heute Wien VIII. Blindengasse No. 20). Es sollte auch das Sterbehaus beider Eheleute sein.  
In der gleichen Zeit taucht in den Rechnungsbüchern der k. k. Hoftheater (2. Oktober 1779 bis 9. April 1784) ein Leutgeb ohne Vornamen als 2. Hornist bei den „Corni“ auf. Es stellt sich dann heraus, daß er Leopold Leutgeb hieß, der 1784 mit einer Abfindung eines Quartals (drei Monate) in der Höhe von 87,30 fl. (Gulden) ausschied. Daraus kann man wieder das Jahreseinkommen eines zweiten Hornisten im Orchester der Hofoper errechnen, nämlich ca. 350 fl. Es war also im Vergleich zum Beginn des Jahrhunderts nur unwesentlich gestiegen. Dazu muß man allerdings wissen, daß auch kaum eine Inflation stattfand.  
Allerdings taucht auch unser Joseph Leutgeb in den Abrechnungen der Hofoper auf, als er für den erkrankten ersten Hornisten Jakob Eisen einsprang und dafür 31 fl. erhielt, immerhin fast ein Monatsgehalt.   
Barbara Leutgeb starb am 4. Februar 1785 an einem Schlaganfall und Joseph Leutgeb heiratete dann nach nur elf Monaten am 15. Jänner 1786 seine fast gleich alte Nachbarin Franziska Hober oder Huber. Dem Todeseintrag nach überlebte sie Joseph Leutgeb um siebzehn Jahre und starb als 94-jährige am 21. August 1828. Hier hatte sich Pisarowitz um zehn Jahre verrechnet, als er angab, Franziska wäre zur Zeit der Eheschließung mit Joseph Leutgeb erst 42 gewesen. Oder verrechnete sich Hintermaier bei der Angabe „94-jährig“ oder sind die Einträge in den Matrikeln fehlerhaft. Das gilt es jetzt erneut zu prüfen. 
Vielen Aufnahmen der Mozartkonzerte liegen Erläuterungen bei, die auf Alfred Einsteins Meinung zu den Konzerten basieren. Er meinte nämlich, das dritte Konzert könne wegen des musikalischen Anspruchs nicht für jenen etwas einfältigen Hornisten Leutgeb gedacht gewesen sein. Wenn er dabei unser K.447 meinte, lag er völlig falsch, da ja Mozart eigenhändig den Namen „Leitgeb“ im dritten Satz nach der ersten und nach der letzten Fermate über der Solostimme eintrug. Wenn Einstein jedoch das als drittes Konzert komponierte K.495 meinte, irrte er noch mehr, da dieses Konzert als „ein Waldhornkonzert für den Leitgeb“ unter Angabe des Kompositionsdatums und des Incipits (Anfangstakte) von Mozart am 26.Juni 1786 in sein eigenhändiges Werkverzeichnis ebenso wie das Quintett K.452 für Klavier und Bläserquartett (30.März 1784) eingetragen wurde.
Die Geschichte um das K.514 (zweites D-Dur Allegro) mit den lustigen Bemerkungen Mozarts kommt etwas später, ebenso die Übertragung ins Englische.

Copyright 2009 by Hans Pizka, D-85551 Kirchheim

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Di 11. Aug 2009, 22:19
von Hödlmoser
Lieber Prof!
Danke, daß Du uns dieses "Elaborat" zur Vefügung stellst.
Ich antworte lieber hier auf diesem "thread" oder "topic" als auf Dein extra eröffnetes, da dieses sonst weiter hinten im Forum stehen würde.
Zufällig habe ich die letzten zwei Wochen die Mozartbiographie von Kurt Pahlen gelesen.
Da kam Dein Aufsatz gerade richtig, da ich mitten im "Leben" Mozarts bin. :idea:
Liebe Grüße, Dein "Hödlmoser" :geek:

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 05:52
von www_corno_de
Lieber Hans Pizka,

hier steckt viel Arbeit dahinter. Aber warum werden die "Musikologen-Schreiberlingen" schon wieder abgewatscht? Du bist doch mit deinen Beiträgen auch einer davon, oder nicht?

Was fehlt, sind genaue Quellangaben!!!!! Es ist ein Unding, zu schreiben, das es aus den Kirchenbüchern stammt oder aus dem Werk von Hintermaier. Wsas bitte, und woher stammt der Rest, was hast Du selbst rescherschiert, was als Zitat übernommen? Gut, bei einigen steht es mit dabei, manchmal sogar mit Seitenzahl

Hat die Patenschaft Apollonia Haydns für Barbara Leutgeb etwa mit der Aufführung von Haydns drittem Hornkonzert Hob.VIId/3, das Haydn 1762 „im Schlaf“ komponierte und das uns heute als 1.Konzert in D-Dur geläufig ist, zu tun ?
Solche Sätze liebe ich - die Patenschaft war ja wohl für die Leutgeb-Tochter. Und der immer wieder gern zitierte Eintrag "im Schlaf" im Haydn-Konzert resultiert aus einem korrigierten Schreibfehler Haydns. Neudeutsch übersetzt "Hier habe ich hier gepennt, natürlich ist es so richtig".

Leutgeb dürfte auch Johann Michael Haydn nach Salzburg empfohlen haben (siehe die Romance des K.447 in der "Reconstruction" von Michael Haydn, heute in der Musikbibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek in München.
Das ist nur eine Vermutung, oder? Und warum eine nach 1786 komponierte Romance für diese Empfehlung herhalten muss, erschliesst sich mir gar nicht. Da war Leutgeb weder in Salzburg noch gibt die Kompositionen (also die von Michael Haydn) irgendeinen Bezug oder Hinweis zu Leutgeb.

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 06:30
von Prof
Wer die Angaben unbedingt prüfen will, kann ja nach Wien oder Salzburg fahren und vor Ort (nach vorheriger Anmeldung) in den entsprechenden Unterlagen nachlesen, bzw. die Seiten- und Zeilenzahlen rausschreiben und dann hier ergänzen. Angaben zu den Fundstellen sind genug gemacht.

Hier steht auch niemand vor Gericht, sodaß jeder Punkt genauest gesetzt sein muß, damit kein "Rechtsverdreher" auf die Idee kommt, alles neu aufzurollen. Bezüglich der Patenschaft Apollonia Haydns für Leutgebs Tochter dürften keine Zweifel aufkommen, da sie im Taufeintrag belegt ist. Ich habe jeglich die Verbindung zu Haydns (jetzt für uns) erstem Hornkonzert zu Leutgeb hergestellt, da beide offensichtlich sehr eng bekannt waren. Da Leutgeb schon früh ein Solowerk Michael Haydns in Wien aufführte, liegt es nahe, daß M.Haydn die Romance Mozarts (K.447) später nach Angaben Leutgebs einfach rekonstruierend niederschrieb. Leutgebs Verbindung zu Salzburger Freunden wurde nicht abgebrochen. Das mit der Empfehlung M.Haydns nach Salzburg ist auch die Meinung Professor Crolls in Salzburg, nur gibt es keinen schriftlichen Beweis.

Wertangaben ? Naja, wozu gibt es seit urdenklichen Zeiten offizielle statistische Aufzeichnungen hinsichtlich der Lebenshaltungskosten ? Und Fitzpatrick ? Natürlich gibt es da Fehler, aber nicht bei angegebenen und zitierten oder abgelichteten Dokumenten.

Bei Gumpenhubers Aufzeichnungen mußte nicht das Original herhalten (konservatorische Gründe), da ja die Übertragung auf elektronische Medien bereits erfolgt ist (Universität Salzburg).

Was mich nur bei vielen Schreiberlingen ärgerte, war die Käsehändlergeschichte, die nun wohl ein Ende haben sollte.

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 08:28
von www_corno_de
Wer die Angaben unbedingt prüfen will, kann ja nach Wien oder Salzburg fahren und vor Ort (nach vorheriger Anmeldung) in den entsprechenden Unterlagen nachlesen, bzw. die Seiten- und Zeilenzahlen rausschreiben und dann hier ergänzen. Angaben zu den Fundstellen sind genug gemacht.

Da ist bei mir die Disskusion zu Ende. Das ist einfach nur unwissenschaftlich, Quellangaben müssen auch überprüfbar sein, sonst sind sie wertlos.

Und warum sollte ein Leutgeb Michael Haydn bitten, die Romance zu rekonstruieren? :?: Er kam doch leicht an das Original und zudem war er auch Wien und nicht in Salzburg. Solche Dichtungen und Vermutungen würde ich sein lassen. :shock:

Und ich schrieb von Quellangaben und nicht von Wertangaben. 8-)

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 12:25
von Prof
Ich habe mit meiner Arbeit keinen Anspruch an "hochwissenschaftliche Ansprüche" gestellt, sondern jeglich zusammengetragen, was es alles an Fakten über unseren Joseph Leutgeb gibt. Wenn ich die entsprechende Literatur (z.B. Hintermair, Pisarowitz, usw.) mit allen, auch von mir erwähnten Fundstellen finden kann, dann sollte das für andere ebenso leicht sein. Daß ich anschließend noch in Wien recherchiert habe, ist wohl klar. Wozu gibt es denn Pfarrarchive, das Archiv der Stadt Wien, Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, usw. ? Die Quellenangaben (nicht Quellangaben) sind bei Hintermair und Kollegen ganz deutlich. Bei den Briefen W.A.Mozarts und bei den Leopold Mozartbriefen ist jeweils das Datum angegeben. Wozu sollten dann noch Ausgaben- und Seitennummern dienen ? Damit der nächste Schreiber weniger Arbeit hat, natürlich ! Was denn sonst ? Und außerdem: viele sogenannte und selbsternannte Musikwissenschaftler haben von der praktischen Kunst, d.h. von der ausführenden Seite wenn überhaupt nur schwache dilletantische Ahnungen, sollten vielleicht aus irgendwelchen Gründen auch immer nicht ins Profi-Orchester gekommen sein, während mir nicht nur ein riesiges Privatarchiv, sondern auch die eigene Tätigkeitserfahrung im großen Orchester, in unterschiedlichsten Kammermusikformationen, in der Barockmusik und im Solospiel hilft, verschiedene Dinge von der Erfahrungsseite her zu korrigieren. Wenn mir dabei in der Vergangenheit z.B. im Hornistenlexikon Fehler unterlaufen sind, da viele Quellen nur unzureichend zugänglich waren, war ich immer für jede konstruktive Korrektur offen und dankbar.

Die "echte Romance K.447" wurde wohl auch ursprünglich von Mozart (1783 oder kurz vorher) separat geschrieben (siehe Seitenzahlen !!!), jedoch hatte Leutgeb anscheinend dann drei Jahre später keinen Zugriff mehr und ließ sich die Romance vom befreundeten (genialen) Komponisten Michael Haydn (wahrscheinlich nach seinen Angaben, bzw. vorsingen o.ä.) niederschreiben. Wer sonst kannte denn diesen Satz so gut ? Beweise gibt es dafür allerdings nicht, ich erinnere mich jedoch daran, daß mein Vater im Kriegsgefangenenlager ganze Opernchöre aus dem Gedächtnis niederschreiben konnte, für heutige Musiker kaum vorstellbar. Es geht etwas mühsam, aber ich habe derartige Dinge auch schon gemacht. Und nochmals betont, auch damals herrschten zwischen Musikern und Dirigenten/Komponisten/Kollegen manche Freundschaften bis zum Tod. Das ist heute meistens ganz anders.

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 14:06
von www_corno_de
Lieber Hans Pizka,

WEN akzeptieren Sie bitte bei einer Kritik? Sie werden extrem unsachlich, verweisen immer auf ihre Erfolge etc.
Damit der nächste Schreiber weniger Arbeit hat, natürlich !
Genau, Sie hatten duch die gute Quellangabe bei Hintermaier (nicht Hintermair, Herr Pizka) und anderen solche Vorteile. Das bei Ihnen andere Regeln gelten ist seltsam. Und es ist etwas ganz anderes, wenn man Zitate und Quellen benutzt, ohne diese zu nennen. Für Ihre Arbeit wollen Sie das wohl mit dem Copyrightvermerk ausschliessen. Gleiches Recht für alle!

Zu KV 447: die Datierung des Werkes um 1783 (von Köchel und Andre geschätzt) wird schon in der Neuen Mozartausgabe Serie V/14/5 Seite XIII stark bezweifelt. Die Musikologen-Schreiberlinge vermuten darin eine Zuordnung um das Jahr 1788/89. Dies wird unter anderem Die Romance ist auch nicht separat geschrieben worden, sondern der 2. und 3.Satz sind mit Nr.1 - 6 durchnummeriert. Der 1.Satz ist separat nummieriert. Vom Papiertyp lässt sich wenig schliessen, die letzte Seite des Rondos hat das gleiche Papier wie die 2.Seite des 1.Satzes.

Zur Haydn/Mozart Romance: laut RISM A/I/4 S. 287 ist das Werk 1802 in Wien im Druck erschienen. Das Mozart-Jahrbuch 1971/72 S.32-34 gibt ein Werkverzeichnis von Haydn an, worin dieses Werk mit dem 30. August 1795 datiert ist.

Wenn Hans Pizka sich gegen diese Aussagen stellt, bitte, dann aber mit einer guten Begründung. So ein jucken im kleinen Finger der linken Hand gilt nicht. Das kann auch vom Hornspiel im großen Orchester, in unterschiedlichsten Kammermusikformationen, in der Barockmusik und im Solospiel kommen.

von der ausführenden Seite wenn überhaupt nur schwache dilletantische Ahnungen

Solche Leute dürfen wir beide getrost vergessen, gell?

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 20:17
von Prof
Natürlich Hintermaier, hätte halt in meinem eigenen Text nachsehen sollen, wo es richtig steht.
Lieber Robert !
Warum hat denn Mozart das K.447 nicht in sein bis Mitte November 1791, also nicht einmal drei Wochen vor seinem Tod fortgeführtes eigenhändiges Werkverzeichnis eingetragen (es liegt vor mir hier am Schreibtisch !) ? Immerhin ein voll instrumentiertes Werk ? Eine Erscheinung im Druck (1802) ist keinerlei Nachweis über die Entstehung eines Werkes (M.Haydn: Romance). Werde mir das morgen in der StaBi anschauen. Bei den Datierungen werden auch nur Vermutungen angestellt. Man sollte besser der Vernunft nachgeben und bei Mozart selbst nachlesen. Daß die Romance und das folgende Rondo auf durchnummerierten Seiten geschrieben stehen, ist mir seit der Arbei an "Das Horn bei Mozart" (auch darin sind im Text Fehler und Tipfehler enthalten; es wird aber irgendwann nochmals kommen. Das ist alles eine Finanzierungsfrage. Bitte nicht wieder mit "Book on demand" kommen.) bekannt. Die Romance hätte schon aus musikalischen Gründen nicht alleine stehen können, denn so hört kein Stück auf. So könnte man ein Stück nicht ans Publikum verkaufen. Das mußte gleich weitergehen. Drum haben wir es auch so gelernt (in Wien), daß das Rondo quasi attacca gespielt sein muß. Außerdem wird auch vom Robert Ostermayer vergessen, daß mir sehr viel sehr altes handgeschriebenes Zeug aus Wien, das noch bis in die Mozartzeit zurückreicht im Original vorliegt. Dieses Zeugt wurde von Hornist zu Hornist immer weitergegeben und landete dann über Richard Lewy, bei Schantl, Stiegler und dann Freiberg.

Das Copyright bezieht sich nur auf den Beitrag an sich und soll nur das einfache Kopieren und wörtlich Übertragen einschränken. Ich verweise nicht auf meine Erfolge, sondern auf meine reichlichen praktische Erfahrungen, verstehst ?

Es heißt doch wohl "Wen akzeptieren Sie ... " und nicht "WENN akzeptieren Sie ..."

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 21:48
von www_corno_de
Außerdem wird auch vom Robert Ostermayer vergessen, daß mir sehr viel sehr altes handgeschriebenes Zeug aus Wien, das noch bis in die Mozartzeit zurückreicht im Original vorliegt.
Das ist einfach nur eine doofe Unterstellung und doppelt falsch - schon durchs falsche Schreiben meines Namens! :roll:
Mozarts Werkverzeichnis ab 1784 findet man sehr schön hier:

http://www.bl.uk/onlinegallery/ttp/ttpbooks.html

Wenn man dieses Verzeichnis als non plus ultra heranzieht und mit einer sehr eigenen Logik weiterargumentiert, bedeutet dies, alle nicht aufgeführten Werke müssen vor 1784 komponiert worden sein. Und dem ist bei weitem nicht so. Und wenn man die Instrumentierung etc. sieht und mit späten Werken Mozarts vergleicht, etwa Titus, dann finde ich schon, das es etwas anders ist als KV 417 und KV 495.
Leider konnte ich über KV 447 nichts bei Mozart nachlesen, wann man es ansetzen soll.
Und wenn Hans Pizka bitte genau zitiert, ich habe neben dem Druck auch das eigene Werkverzeichnis von 1795 angegeben, aber ich danke für die belehrenden Wort, aber leider ... das wusste ich schon.

Die mitlesenden Hornisten werden schon feixen -ich hör hier auf, sonst beharre ich stur und werde wieder persönlich abgewatscht, mal mit einer Berufserfahrung, mal mit der fehlenden (musikalischen) Erblinie Mozart - Leutgeb - Lewy - Schantl - Stiegler - v. Freiberg - Pizka und nicht zu vergessen einem Privatarchiv von Duckschen Geldspeicherausmaßen. Also ENDE!

Re: Leutgeb Joseph - die Wahrheit

BeitragVerfasst: Mi 12. Aug 2009, 22:56
von Prof
Also Ostermeyer. Ich habe keine von Mozart ausgehende Erblinie erstellt. Mein Lehrer heißt auch nicht Freiberger sondern Gottfried von Freiberg. Die Sammlung geht jedoch bis zu Leutgeb und noch weiter zurück. Jeder Besitzer hat sie erweitert. Und hat ein Robert Ostermeyer meine Sammlung gesehen ? Noi !!! Es waren einmal zwölf laufende Meter Notenschrank. Der größere Teil befindet sich jetzt in Schloß Kremsegg. Die Namen der früheren Besitzer der vielen Noten gehen aus Besitzereintragungen hervor.

Und nochmals, wer kannte denn K.447 überhaupt außer Leutgeb ? Das Werk war doch noch nicht gedruckt.

Es gab einmal einen Mozartspezialisten, der sogar den Unterschied im verwendeten Klopapier herunterbeten konnte.

Jetzt ohne Spaß: Mozarts eigenhändiges Verzeichnis hätte wohl kaum noch zusätzliche Werke in den letzten fünf Jahren von Mozarts Leben aufnehmen können, enthält es doch seine fünf berühmtesten Opern, zahlreiche Symphonien und Klavierkonzerte und. gleich am Anfang der Aufzeichnungen am 30.März 1784 das Quintett K.452 und davor bis zum 9.Februar 1784 zurück vier weitere Werke. K.447 wäre dann also unmittelbar davor anzusetzen, auch wenn im Vorwort des Werksverzeichnisses eine spätere Datierung vermutet wird. Die übrigen im Werksverzeichnis fehlenden Werke aus der Zeit 1784-91 sind eher Gelegenheitsarbeiten, während das Hornkonzert ein abgeschlossenes, perfektes Werk darstellt. Welchen Grund hätte Mozart haben sollen, gerade dieses Kolnzert nicht mit aufzunehmen ? Wenn man überhaupt vom "dritten Konzert" spricht, muß man sehr vorsichtig sein, wurde denn das K.447 von Andre sicher nicht ohne Grund als erstes (premier) Konzert veröffentlicht, K.417 dann als No.2 und K.495 als 3me Concert. Andre war etwas näher dran an Mozart als wir alle heute. Von den beiden D-Dur Rondos war in der Zeit Andres gar nichts zu hören, jeglich Constanze Mozart erwähnt gewisse "Fragmente".