Naturhornschule

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Re: Naturhornschule

Beitragvon Thomas » Mo 29. Jun 2009, 18:25

Also ich hab in den 80ern studiert und da war Naturhorn nicht Gegenstand des Unterrichtes. Angesichts dessen, daß die meisten Studenten mit denen ich seitdem Kontakt hatte, alle "notorische" B-Horn Bläser sind und sogar die F-Seite des Doppelhorns scheuen, gehe ich mal davon aus, daß das immer noch so ist.
Naturhorn ist wohl eher optional wählbar. Jedenfalls gibts Dozenten dafür.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Mo 29. Jun 2009, 20:50

Ist es den Dozenten denn egal, wenn der Student alles auf dem B-Horn bläst?
Zudem ist das Doppelhorn ja nicht in "B" und "F" zu trennen. Der Daumenhebl ist ein gleichwertiges Ventil und nur das ergibt am Doppelhorn einen Sinn. Ansonsten kann ich mir ja auch ein einfach B-Horn kaufen! Aber das geht wohl aus Prestigegründen nicht (?!).
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Re: Naturhornschule

Beitragvon herbstgetönter Hain » Mo 29. Jun 2009, 23:02

Martin2 hat geschrieben:Ist es den Dozenten denn egal, wenn der Student alles auf dem B-Horn bläst?
Zudem ist das Doppelhorn ja nicht in "B" und "F" zu trennen. Der Daumenhebl ist ein gleichwertiges Ventil und nur das ergibt am Doppelhorn einen Sinn. Ansonsten kann ich mir ja auch ein einfach B-Horn kaufen! Aber das geht wohl aus Prestigegründen nicht (?!).


Martin2 hat geschrieben:Jetzt bin ich aber leicht irritiert. Entnehme ich dem letzten Beitrag von Prof, daß während des Hornstudiums das Naturhorn nicht vorkommt??? Das Thema Instrumentenbau wird scheinbar auch nicht intensiv (zumindest theoretisch) beleuchtet... Was wird denn dann im Hornstudium überhaupt studiert (gelehrt)? Wer sich heutzutage zu einem Studium entschließt, muß ja schon besser sein, als ein Absolvent vor 30 Jahren. Eigentlich brauchte er ja gar nicht mehr zu studieren, wenn das Praktische dem Niveau eines Profis entspricht (entsprechen muß / sollte).
Als Laie habe ich ja keinen Einblick in irgendwelche Hochschulen. Aber ich gehe davon aus, daß, wer sein Fach studiert hat, zu 150% ausgebildet ist (100% brauchts ja schon zu Beginn). Und das in allen Bereichen seines Fachs.


Lieber Martin,

dass Du nicht studiert hast, wird Dir niemand hier vorwerfen, aber ein wenig Zurückhaltung gegenüber den derzeit wirkenden Dozenten und den Heerscharen wirklich phänomenaler Hornstudenten wäre womöglich auch nicht unangebracht...


Auch Leute, die schon bei der Aufnahmeprüfung ein 2.Strauss spielen, brauchen doch (mit wenigen Ausnahmen) einen Rahmen, in dem sie ihre Fähigkeiten und ihr Wissen erweitern können.
Kein wirklicher Profi wird von sich behaupten, er leiste 150%, im Angesicht der unerreichbaren Idealität der Kunst wird man eher demütig! (Alan Civil soll auf dem Sterbebett ein Resumee seiner Künstlerlaufbahn gezogen haben: 4 Konzerte in seinem Leben seien ihm wirklich gelungen...)

Den meisten Dozenten ist es im Prinzip egal, auf welcher Seite man eine Stelle spielt, sofern sie funktioniert, stimmt und klingt.
Selbstverständlich wird jeder Hornist nicht nur im Studium sowohl die B- als auch die F-Seite des Doppelhorns ausgiebig nutzen bei Intervall-, Binde- und sonstigen Grundlagenübungen.
Bestimmte Töne spielt sowieso jeder noch so notorische B-Horn-Nutzer auf der F-Seite, nämlich g, fis, und alles ab c abwärts.
Ein Doppelhorn wird aber nicht etwa aus "Prestige"-Gründen im Orchester bevorzugt, sondern aufgrund der Tragfähigkeit und Kraft des Klanges.
Diese leidige und ständig wiederkehrende Diskussion, ob nun der F-Horn-Klang der einzig wahre und alle B-Horn-Nutzer jeglicher Klangästhetik abholde Feiglinge und Sicherheitsfanatiker sind oder nicht müssen wir an dieser Stelle glaube ich nicht wieder aufmachen, oder?
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Re: Naturhornschule

Beitragvon www_corno_de » Di 30. Jun 2009, 14:31

Dauprat ist eine wirklich ausgezeichnete Wahl einer historischen Naturhornschule, wer dem frz. nicht so mächtig ist, der kann eine englische Fassung bei birdalone.com bestellen, hat aber auch seinen Preis.

Als fortgeschrittene Etüden bieten sich welche von Belloli, Dauprat oder Gallay an.

Beim Hornstudium wird immer mehr auf das Naturhorn acht gegeben, da sehe ich schon einen gewaltigen Fortschritt gegenüber einige Jahre früher. Das Verständnis des Naturhorns müsste Pflichtfach werden, sonst kommt es auch für Orchestermusiker zu peinlichen Fehlinterpretationen (z.B. ein sf auf es`` in einer Schumann-Sinfonie).
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Martin2 » Di 30. Jun 2009, 16:48

Lieber herbstgetönter Hain,

es liegt mir fern, irgendjemandem auf die Füße zu treten oder mich gar negativ über Hornstudenten oder deren Dozenten zu äußern.
Ich schrieb ja bereits, daß ich in dieses Metier (Studium) keinen Einblick habe. Umso mehr interessiert es mich, was da so "läuft".
Gibt es feste Lehrpläne oder Mindestanforderungen, die nach einer gewissen Zeit beherrscht werden müssen? Kann man sich als Student Schwerpunkte heraussuchen oder muß man "schlucken", was die Dozenten vorsetzen? Ist Harmonielehre, Musikgeschichte, Instrumentenkunde (-bau) Pflicht? Wie sind die Prüfungen aufgebaut?
Das mit den 100% bzw. 150% hast Du vielleicht falsch aufgefaßt. Ich weiß, daß ein gewisses Maß vorhanden sein muß, um studieren zu können. Diese "Mindestanforderung" sind halt die 100%, die man im Unterricht vor dem Studium erreicht hat.
Ich gehe davon aus (bin davon ausgegangen), daß im Studium alle Aspekte des Instrumentes behandelt werden, inclusive aller Theorie und auch aller Hornarten. Beispiel: Ich selbst habe Schreiner gelernt, kann aber Treppen bauen, obwohl es mit dem Beruf offiziell gar nichts zu tun hat, aber trotzdem in der Berufschule (zumindest theoretisch) und im Betrieb praktisch gelehrt wurde.
Die Diskussion um F- oder B-Horn soll hier ebenfalls nicht wieder aufgerollt werden, da stimme ich Dir zu! "Es soll ein jeder nach seiner Facon selig werden...."
Daß unter Profis niemand ein Doppelhorn aus "Prestigegründen" spielt, ist klar. Aber im Laienbereich hat man das schon öfter beobachten können. Diese Aussage war auch allgemein gehalten und nicht auf bestimmte Peronengruppen ausgerichtet. Der Gedankengang ist jetzt vielleicht etwas abstrakt: Niemand würde sich aus Prestige einen LKW oder Omnibus zulegen, wenn ein PKW völlig ausreichend für ihn wäre.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon RobLeicht » Di 30. Jun 2009, 18:28

zu corno.de:
Ich lerne natürich auch brav das Naturhorn, macht auch riesigen Spaß und ist in der Kammermusik der Epüoche eh schöner, heute abend spielen wir z.B. das Nannerlseptett auf zwei Naturhörnern mit: Aber eines habe ich gerade nicht kapiert: peinliche Fehlinterpretation, sf auf e'' bei Schumann, was ist - bittascheen - damit konkret gemeint?
Salue!
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Re: Naturhornschule

Beitragvon Prof » Mi 1. Jul 2009, 15:30

Er meinte "ein peinliches sf auf ein es´´" nicht "e´´". Doch was solls. Ein es´´ ist dann eben ein typisches sf gestopft, wenn man Stopfhorn spielt (also der durchs Stopfen um 1/2 Schritt erhöhte ton). Wenn das es´´ aber vom e´´ aus angegangen wird und nur heruntergedämpft, dann kann es auch im sf völlig normal klingen.

Zu den Studenten und dem Studium:

Natürlich gibt es gewisse, lange gewachsene Studienpläne, die jetzt auch zumindest an einigen Instituten das Naturhorn integrieren. Es ist aber weit besser, wenn die bläserischen Grundlagen, das Intervallgefühl, die Arpeggien usw. schon ganz am Anfang, in der Grundausbildung am Anfang stehen. Das Wienerhorn eignet sich dazu ausgezeichnet, da der Schallbecher in etwa den Hörnern der Mozartzeit entspricht. Im weiteren Verlauf der Grundausbildung sollte dann auch das Spiel mit den "manipulierten Tönen" stark behandelt werden. Man muß es ja nicht gerade zum Naturhornsolisten bringen. Das richtige Gefühl für die möglichen Manipulationen der Naturtöne ist für einen späteren Berufsweg als Hornist von großer Wichtigkeit.

Naja, die Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen sind schon etwas übertrieben. Wenn ich Strauss No.1 oder gar No.2 (quasi) astrein spielen können muß, dann brauche ich keine Hochschule mehr. Dann bereite ich mich gleich intensiv auf die Orchesterliteratur (alles was es an Orchesterstudien gibt einfach fressen, vorwärts und rückwärts, ALLE Stimmen, denn man weiß ja nie .... Lieber dritter in einem Superorchester, als erster in einer Klitsche. Man weiß auch nie, ob die passende Stelle dann frei ist, wenn man selbst dafür ideal geeignet ist.).

Und bei den Probespielen ? Wie sieht es denn da aus ? Abbruch spätestens nach der zweiten Runde .... Und das dann zwei- , drei- oder viermal hintereinander für die gleiche Solostelle. Beim Tutti ist es etwas besser. Aber warum, wenn alle so gut sind ???? Glauben sie nur, daß sie so gut sind ? Wird ihnen das nur eingeredet ? Es gibt doch nur eins: bescheiden hinkommen, super vorblasen, abräumen, unterschreiben und die Stelle behalten. Anders geht es leider nicht.
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Re: Naturhornschule

Beitragvon RobLeicht » Mi 1. Jul 2009, 16:54

merci, prof, und genauso mache ich es ja auch, sorry für das Missverständnis
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Re: Naturhornschule

Beitragvon www_corno_de » Fr 14. Aug 2009, 21:20

Noch mal als klare Antwort zum es'' (nach dem Urlaub habe ich es übersehen):

Man stopft natürlich nicht ein es'' vom d'' nach oben sondern dämpft ein e'' etwas herab zum es''.

Schumann schrieb so etwas (es'' und sf) in seiner 4.Sinfonie (eigentlich seine 2. ). Wenn man es auf dem Naturhorn spielt und nun noch ein sf versucht hat man einen sehr eigenen Klang - auf der moderen Streitaxt Alex 103 :) blasen nun aber so manche hornistischen Attentäter ganz offen ein sf, möglichst noch im fff. Und das ist musikalisch eben nicht gemeint. Es soll nur eine Nuance in der Komposition sein und kein reinbrüllen.
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