Notation in der Rolla-Serenade

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Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Lupus Cornum » Mi 1. Jul 2020, 10:55

Hallihallo,

ein bratschender Freund ist neulich über die Serenade für zwei Geigen, zwei Bratschen und zwei Hörner von Alessandro Rolla (1757-1841) gestolpert (Noten). Das ist von der Notation her ein ganz heißes Ding (unter anderem mit transponierender Bratsche), und die Hörner sind als "in Elafa" markiert, was laut Google schlicht italienisch für "in Es" ist, und durchgehend im Bassschlüssel.

Hier beginnt das Problem. Das Notenbild sieht zunächst wie handelsübliche Hornkost aus, aber wenn der Bassschlüssel stimmt / so zu verstehen ist wie im Lehrbuch, liegen die normalen Dreiklangsbewegungen auf den notierten Tönen E-G-H, was unplausibel erscheint. Ebenso ergibt punktuelle Akkordanalyse mit den Streichern, dass alle Streicher mit einem klingenden (das muss man betonen, denn die zweite Bratsche transponiert ja) Es beginnen und die Hörner mit einem E, das also wie ein G klingt.

Für mich erscheint es jetzt, als wäre der Bassschlüssel nach unserem Verständnis schlicht zu ignorieren und durch einen Violinschlüssel zu ersetzen. Das würde zu den gewohnten notierten C-Dur-Dreiklängen führen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Bassschlüssel als F-Schlüssel tatsächlich ein klingendes F markiert. Unglücklicherweise wäre das allerdings inkonsistent mir der 2. Bratsche und würde zu weiteren Merkwürdigkeiten mit Vorzeichen führen und das erste Horn unangenehm hoch machen (notiertes e'''), wenn man nicht nach unten oktaviert (was wiederum gewollt sein könnte, das ganze Ensemble ist ja mangels Cello recht höhenlastig, und ein notiertes groß-G ist zwar tief aber stemmbar).

Hat von Euch jemand Ahnung von der hier verwendeten Konvention und kann Licht ins Dunkel bringen?
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon silber93 » Do 2. Jul 2020, 23:09

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5344FED9-514B-4BB5-BC7D-8EDD4BAFAE78.jpeg (415.91 KiB) 785-mal betrachtet
Ich glaube, dass E la Fa ein anderes Bezugssystem ist, das es und b enthält. Die Stimmen beginnen tatsächlich mit einem klingenden es, das aber eine Oktave tiefer liegt. Das Weitere wird durch die Naturtöne bestimmt. Wenn ich mein uraltes F-Horn auf Es umrüste, dann kann ich die Stimmen mit ein paar gestopften Tönen ganz ohne Ventile spielen. Ich beginne also mit einem c, wenn ich will, dass ein es erklingt. Deshalb scheint das im Violinschlüssel notiert zu sein. Leider habe ich keine Ahnung und das ist nur der Versuch einer Erklärung.
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Lupus Cornum » Do 2. Jul 2020, 23:35

Ok, danke für die Antwort und den Buchlink! Ich hatte echt nicht erwartet, nochmal auf eine mir unbekannte Hornnotation zu stoßen.

In der Zwischenzeit hat der besagte Freund Teile des Stücks in Sibelius eingetippt. Mit klingend Es anfangen klingt gut, mit klingend G anfangen nach seiner Aussage "schauderhaft"... dann ist es das wohl.
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon klangwelt » So 5. Jul 2020, 12:07

Auch in der Sinfonie KV 132 von Mozart sind die Hörner in E la fa notiert. Dazu wurde hier im Forum vor längerer Zeit schon einmal etwas geschrieben.
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Peter » Di 7. Jul 2020, 11:55

ich habe diese Sinfonie öfters gespielt: 4 Hörner in ES, jedoch 1.und 2. Horn in Es-alto. Wenn man die Partitur anschaut, dann sieht man sehr schnell, dass das 2.Hörnerpaar in ES (normal) die eigentlichen Waldhornstimmen zu spielen haben. Das 1. Hörnerpaar in ES-alto sind eigentlich Trompeten oder Post/Jagdhorntimmen. Wir haben im hr diese Partie'n zu aller Zufriedenheit von unseren Trompetenkollegen auf dem Kornett spielen lassen! Man kann diese Partituren natürlich auch mit 4 normalen Hörnern spielen lassen Die erste Horn Partie ist trotz ES-alto hoch, aber nicht zu hoch. Aber ich warne vor falschem Ehrgeiz! Unsere Dirigenten und Kollegen fanden jedenfalls diese Lösung vom Klang her nicht überzeugend
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Lupus Cornum » Do 9. Jul 2020, 13:08

Danke für den Hinweis, allerdings sind die Noten bei IMSLP alle modern gesetzt - es steht ordentlich "in Es" drüber, und es hat den gewohnten Violinschlüssel mit notierten C-Dur-Dreiklängen, nicht diesen nervigen uneindeutigen Bassschlüssel des Rollasatzes.

Mittlerweile ist das Abschreiben allerdings fertig, und es schaut so aus, als wäre die Frage effektiv beantwortet (Anfang auf Es) - das Warum ist zwar interessant aber eher akademisch.
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Peter » Fr 10. Jul 2020, 19:36

Nicht aus Rechthaberei:
Lupus Cornum hat geschrieben:allerdings sind die Noten bei IMSLP alle modern gesetzt - es steht ordentlich "in Es" drüber


Ich empfehle bei Mozart doch die Urtext (Bärenreiter)Ausgabe zu benutzen. Dort steht bei der Sinfonie KV132: 1.und 2. Horn in Es Alto
Horn 3 und in Es (normal).
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Re: Notation in der Rolla-Serenade

Beitragvon Lupus Cornum » Di 14. Jul 2020, 10:07

Peter hat geschrieben:Nicht aus Rechthaberei:
Lupus Cornum hat geschrieben:allerdings sind die Noten bei IMSLP alle modern gesetzt - es steht ordentlich "in Es" drüber


Ich empfehle bei Mozart doch die Urtext (Bärenreiter)Ausgabe zu benutzen. Dort steht bei der Sinfonie KV132: 1.und 2. Horn in Es Alto
Horn 3 und in Es (normal).

Ja, das ist so, hat hier niemand bezweifelt und hat mit der Fragestellung nichts zu tun... denn es ist klar drüber geschrieben, welche Töne man nach modernem Verständnis spielen soll.
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